Alan Wake

Ich liebe Bücher. Als Kind konnte ich nicht genug davon bekommen, Seite um Seite eines spannenden Romanes umzuschlagen und der letzten Seite immer näher zu kommen. Glücklicherweise teilte ich diese Leidenschaft mit meiner Mutter, weshalb ich das große Glück besaß (und noch immer besitze) die unterschiedlichsten Bücher aus der gut sortierten Bibliothek meiner Eltern zu lesen. 

Dabei stieß ich recht schnell auf die Bücher von Stephen King, seines Zeichens einer der Lieblingsautoren meiner Mutter und auch meines Onkels, weshalb sich bis heute fast alle Bücher von ihm in den Bücherregalen meiner Eltern finden. Christine, Needfull Things – In einer kleinen Stadt, Es, The Shining und vieles mehr weckten in mir die Lust an der Horrorliteratur. Keines der Bücher war vor mir sicher, mit einer Ausnahme: Es. Bis zum heutigen Tage bin ich nicht über das erste Kapitel hinweg gekommen. Das lag aber auch daran, dass ich mit sechs oder sieben Jahren dieses schon gelesen hatte und es sozusagen für ein kleines Trauma sorgte. Meiner Begeisterung für Stephen King sollte dies jedoch keinen Abbruch tun.

Alan Wake

Im Jahr 2010 veröffentlichte Entwickler Remedy das Spiel Alan Wake für Xbox 360. Bis zum damaligen Zeitpunkt war das Studio hauptsächlich für die Max-Payne-Reihe bekannt. In dieser düsteren und an das Film Noir angelehnte Spielserie schlüpfte der Spieler in die Reihe des gebrochenen New Yorker Polizisten Max Payne, der an der Ermordung seiner Frau und Kindes innerlich zerbricht aber dennoch weiter daraufhin arbeitet, die Verantwortlichen Dingfest zu machen … oder eher unter die Erde zu bringen.

Doch nach der erfolgreichen Veröffentlichung von Max Payne 2: The Fall of Max Payne entschloss sich Remedy zunächst dazu, die Serie Ruhen zu lassen und sich neuen Dingen zu widmen. In dieser Phase entstanden verschiedene Konzepte, darunter auch jenes, das später zum fertigen Alan Wake werden sollte. Max Payne ist mittlerweile nicht mehr Teil des Unternehmens; es befindet sich mittlerweile in der Hand von Rockstar Games, das bereits Max Payne 2 in der Vergangenheit veröffentlichte.

Die Entwicklung von Alan Wake dauerte insgesamt über fünf Jahre, was in der Videospielbranche fast schon ungewöhnlich lange ist, wenn man Spiele wie Owlboy oder Duke Nukem Forever ausenvorlässt. Wie schon die zuvor veröffentlichten Max Payne-Spiele, wurde auch bei Alan Wake die Geschichte von Remedy Entertainments “Frontrunner” Sam Lake geschrieben.

Neben dem eigentlichen Spiel entstand bereits im Vorfeld eine eigens von Remedy produzierte Web-Serie mit dem Namen Bright Falls. Hierbei handelt es sich um den gleichen Ort, in dem auch die Geschehnisse von Alan Wake stattfinden. Doch anstatt dabei Alan über die Schulter zu blicken, verkörpert hier der Journalist Jake Fischer die Hauptrolle. Dieser wird, wie auch Alan später, Zeuge mysteriöser Ereignisse und trifft sogar auf die Dunkle Präsenz, dem eigentlichen Böse des Spiels. Fischer verschwindet jedoch noch vor dem Auftauchen von Alan und Alice Wake in Bright Falls und taucht auch innerhalb des Spiels nicht auf.

Inhaltlich wie optisch erinnert Alan Wake sehr stark an bekannte Mysterie-Serien wie Akte X oder Twin Peaks. Dem aber noch nicht genug, kommt das Spiel selbst in Form einer Serie daher und ist in verschiedene Kapitel mit eigenem Intro, “Was zuletzt geschah”- und “Das passiert als nächstes bei Alan Wake”-Sektion unterteilt. Zudem findet sich innerhalb des Spiels eine fiktive TV-Serie, die sich stark an The Twilight Zone orientiert und mit echten Schauspielern stattfindet. Auch Hitchcock diente den Machern als Inspirationsquelle; besonders Die Vögel hatte es den Entwicklern von Remedy Entertainment angetan. Und selbstverständlich Stephen King und dessen Bücher. Der Meister des Horrors wird zudem direkt im Intro namentlich erwähnt und im gesamten Spielverlauf finden sich zahlreiche Anleihen an dessen Bücher und Filmen, die auf diesen basieren.

The Story

Das erste Kapitel “Nightmare” beginnt damit, dass sich Alan Wake in einem Albtraum wiederfindet, zu dessen Beginn er einen vermeintlichen Anhalter überfährt. Recht schnell stellt sich jedoch heraus, dass dieser keine echte Person gewesen ist sondern ein Abkömmling der Dunklen Präsenz, die im späteren Spielverlauf thematisiert wird. Als Spieler bekommt man in der “Albtraum”-Sequenz die grundlegende Steuerung beigebracht. So muss man sich bereits innerhalb der ersten zehn Minuten lediglich mit einer Taschenlampe und einem Revolver bewaffnet einem dunklen Sturm und schemenhaften Schattenwesen auseinandersetzen. Diese verfolgen den titelgebenden Helden bis zu einem Leuchtturm, dem vermeintlichen Save Haven. Doch auch dieser wird von dem Dunkel Sturm verschlungen, was zum plötzlichen Tod Alans führen würde, wäre dies alles nicht ein einfacher Traum gewesen .. doch, war es das auch?

Anschließend erfährt der Spieler wer Alan Wake eigentlich ist. Gemeinsam mit seiner Frau Alice macht er sich auf den Weg nach Bright Falls, um sich einige Tage vom Großstadtleben zurückzuziehen. Er selbst ist ein vermeintlicher Star-Autor, der jedoch in den vergangenen zwei Jahren keinerlei Bücher geschweige denn einen Bestseller veröffentlichte. Dennoch kümmert sich sein Agent Barry mit voller Hingabe um ihn. Doch auch wenn Alans gloreiche Schreibrei schon einige Jahre zurückliegt, so hat er noch immer glühende Verehrer. Dazu zählt auch die in Bright Falls arbeitende Diner-Angestellte Rose, die den Autoren nach dessen Eintreten förmlich mit ihrer Bewunderung überfährt.


Nach einer merkwürdigen Begegnung mit einer düster dreinblickenden älteren Dame, machen sich Alice und Alan auf den Weg zur von ihnen gemieteten Hütte, in der sie die kommenden Tage verbringen möchten. Doch obwohl Alan eigentlich rein zum Ausspannen und “Den Kopf frei kriegen” nach Bright Falls gefahren ist, überrascht ihn seine Frau mit einer Schreibmaschine, da Sie der Meinung ist, dass ihm die Umgebung und die Natur als Inspiration dienen könnte. Zudem ist in Bright Falls ein besonderer Psychologe beheimatet, der sich speziell auf Künstler spezialisiert hatte. Durch Alice’ Aussage wütend geworden, stürmt Alan aus der Hütte, nur um sich einige Augenblicke später wieder mit ihr versöhnen zu wollen. Doch ehe dies geschehen kann, fällt plötzlich im gesamten Haus die Stromversorgung zusammen, was bei Alice für große Angst sorgt. Sie schreit um Hilfe, ruft nach Alan. Dieser stürmt entschlossen zur Hütte zurück, nur um festzustellen, dass irgendetwas Alice über die Veranda-Brüstung in den See warf. Ohne zu zögern springt Alan Alice hinterher und taucht in das dunkle Wasser ein…

…nur um kurz darauf mit pochendem Schädel und einer blutenden Wunde an der Schläfe in seinem Auto aufzuwachen. Augenscheinlich kam dieses von der Straße ab und krachte durch die Leitplanke, um anschließend auf einem Felsvorsprung zum stehen zu kommen. Alan fehlte jegliche Erinnerung an dieses Ereignis und kann sich nicht zusammenreimen, wie er überhaupt hierher gekommen ist. In der Ferne erblickt er die Lichter einer Tankstelle. Vielleicht könnte er von dort aus Hilfe rufen. Verletzt und ohne Orientierung begibt sich der Autor auf den Weg, eben jene Tankstelle zu erreichen …

Ab hier ist der Spieler völlig auf sich alleine gestellt und muss sich eben jenen Gefahren stellen, die bereits im “Tutorial” – also Alans Albtraum – zum Einsatz kommen. Von geisterhaften Schattenwesen bis hin zu besessenen Objekten, Remedy greift ganz, ganz tief in die Mysterie- und Horror-Trickkiste, um die Spieler von einem Schreckmoment in den nächsten zu jagen.

Auf dem Weg zur Tankstelle findet Alan unterwegs verschiedene Manuskriptseiten, die angeblich aus seiner Feder stammen, er sie aber tatsächlich noch nie gesehen hat. Auf diesen Seiten bekommt der Spieler kleine Ausblicke darauf, was Alan in naher Zukunft zustoßen könnte. Aber auch Vergangenes findet sich auf Papier niedergeschrieben, wie zum Beispiel die erste Begegnung zwischen Alan und Rose. Im Wald findet Alan auch eine Taschenlampe und praktischerweise einen Revolver, zwei Gegenstände die er dankend annimmt und auch äußerst dringend benötigt. Denn nur dank der Kombination aus Feuerwaffe und dem aus der Taschenlampe kommenden Lichtkegel ist es dem Autoren möglich, die Schattenwesen überhaupt zu bekämpfen. Im weiteren Spielverlauf gelangt Alan auch an weitere Schusswaffen, wie zum Beispiel die äußerst effektive Leuchtpistole, die mit einem Schuss mehrere Gegnern das “Licht auspustet”.

Nachdem es Alan schlussendlich gelungen ist, die Tankstelle zu erreichen, muss er zur großen Sorge feststellen, dass seit seiner Ankunft in Bright Falls eine Woche vergangen ist. Ihm fehlt faktische die Erinnerung von sieben Tagen. Der eintreffenden Polizei in Form von Sheriff Sarah Barker versucht er klar zu machen, dass er mit seiner Frau eine Hütte auf dem See von Bright Falls gemietet hatte, diese aber nun vermisst wird und er die Hilfe der Polizei benötige. Da sich besagte Hütte jedoch auf einer vor Jahren schon versunkenen Insel befindet, wird Alan zunächst auf die Polizeistation mitgenommen. Während hier der Sheriff sogar das FBI um dessen Hilfe bei der Suche nach Alice Wake bittet, informiert Alan seinen Agenten und besten Freund Barry über das was vorgefallen ist. Und auch wenn ihm niemanden zu glauben scheint, gibt er nicht auf nach seiner vermissten Frau zu suchen …

The World of Alan Wake

In Alan Wake greift der Spieler auf fast schon alltägliche Dinge zurück, um den Schatten Herr zu werden – von Schusswaffen abgesehen. So ist es immens wichtig, stets einen ausreichenden Vorrat an Batterien mit sich zu führen, um in Notsituationen die Taschenlampe schnell “nachzuladen”. Neben Patronen sind Batterien die wichtigste “Munition”, die während des Spiels gefunden werden. Das Prinzip der beliebten Medikits fällt komplett weg. In Alan Wake ist Licht die einzige Möglichkeit verlorene Lebensenergie wiederzuerlangen. Oder man schafft es über einen längeren Zeitpunkt nur geringen Schaden zu nehmen. Dann regeneriert auch ein Teil des Lebensbalkens.

Die Welt selbst ist in starkem Kontrast gehalten. Teilweise lichtdurchflutet, teilweise komplett in Dunkelheit gehüllt, bewegt der Spieler Alan Wake durch die unterschiedlichsten Spielregionen. Dabei entsprechen diese jedoch (fast) durchweg der Realität und erinnern, wie auch die Geschichte an sich, an bekannte TV-Serien, allen voran Twin Peaks. Von der musikalischen Untermalung und dem Soundtrack möchte ich gar nicht erst anfangen: Hier zeigt sich Remedy einmal mehr von seiner fantastischen Seite und präsentiert einen Klangteppich, der besser nicht sein könnte. Alleine der Song The Poet and the Muse ist bis heute eines der besten Musikstücke, die in einem Videospiel je zum Einsatz gekommen sind.

Ein wichtiges Element sind auch die gefundenen Manuskriptseiten, die dem Spieler sowohl Ereignisse der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft präsentieren. Einzeln ergeben diese wenig Sinn und sind lediglich als mögliche Hilfestellung für bevorstehende Geschehnisse hilfreich. Findet man als Spieler jedoch alle Seiten, auch jene die etwas abseits der eigentlichen Wege platziert wurden, liefern diese einen umfangreichen Einblick in die Geschichte und alle Teilaspekte von Alan Wake.

Das Fazit

Das Spiel Alan Wake wurde 2010 exklusiv für Microsofts Xbox 360 veröffentlicht und ein großer Erfolg. Auch, wenn Remedy ursprünglich das Spiel in eine Richtung ähnlich eines Grand Theft Auto entwickeln wollte, konnte das fertige Produkt sowohl die Presse als auch den Endkunden überzeugen. Doch trotz des Stilwechsels, weg vom Open-World-Horror-Thriller-Adventure hin zum Suspense-Adventure, besitzt Alan Wake noch einige Versatzstücke, wie man sie typischerweise in einem Open World Game wiederfindet. Das Spiel selbst zog zwei DLCs nach sich und bekam mit Alan Wake’s American Nightmare ein SpinOff spendiert. Mittlerweile erschien der Titel zudem für den PC und kann dank der Abwärtskompatibilität der Xbox One auch auf dieser gespielt werden.In diesem Sinne, geht raus, schnappt euch fünf bis zehn Euro und kauft euch das Spiel. 

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Social Media Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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