Absolute Giganten

Vor ein paar Tagen lag ich im Wohnzimmer meiner gegenwärtigen Bleibe auf der Couch und zappte lustlos durch die Mediathek von Amazon. Plötzlich stand ein Kumpel im Türrahmen und meinte, wir sollten uns den Film ‚Absolute Giganten‘ anschauen. Gesagt getan und knapp 80 Minuten später saßen wir uns merklich aufgewühlt gegenüber und haben gefühlt eine Ewigkeit über unser bisheriges Leben und erlebtes gesprochen.

Momente, die längst vergangen sind, die eigentlich für die Ewigkeit gedacht waren, Menschen, die einfach aus dem Leben beziehungsweise unseren Leben verschwunden sind. Vergangene Liebschaften und große Gefühle. Wir hätte uns stundenlang in einem melancholischen Ozean an Erinnerungen baden können, jedoch entschieden wir uns dazu es wie die alten Griechen zu halten.

Laut diesen muss auf eine Tragödie eine Komödie folgen, sodass niemand einem schlechten Gefühl nach Hause dackelt beziehungsweise in unserem Fall jeder in seinem Zimmer verschwindet. Ergo und aus purem Zufall heraus, entschieden wir uns für ‚Happy Gillmore‘ und schon war die melancholische Laune verflogen – dachte ich zumindest. Stattdessen fand ich mich wenige Stunden später nachdenklich vor meinem PC-Bildschirm sitzen, erneut über die Bedeutung, die Figuren und den Inhalt von ‚Absolute Giganten‘ nachdenkend. Der Film ließ mich einfach nicht los.

Aus einer Laune heraus entschied ich mich dazu, meine Gefühle auf dem einfachsten und mir zugänglichen Wege mit Musik auszudrücken. Aus diesem Grund saugte ich von YouTube die besten Zitaten aus dem Streifen auf die Platte, suchte auf der gleichen Plattform nach einem passenden Track und schnibbelte anschließend in akribischer Feinarbeit einen kleinen, aber feinen Sampler zusammen.

Herausgekommen ist ein Track, der für mich lediglich durch das einfügen bestimmter Filmzitate zu etwas Eigenem, etwas Besonderem wurde und auf ewig mit eben diesem Moment, diesem nachdenklichen Moment am Ende des Films in Verbindung stehen.

Absolute Giganten erzählt die Geschichte von drei Freunden Floyd, Ricco und Walter, die eine letzte gemeinsame Nacht in Hamburg erleben, ehe Floyd im Morgengrauen des nächsten Tages auf einem Containerschiff die Stadt verlässt und auch nicht mehr plant zurückzukehren. Trotz der verständlichen Wut von Rico und Walter, entscheiden die Freunde das Beste aus der Situation zu machen und Hamburg bei Nacht noch einmal ein letztes Mal „zu erleben“.

Weißt du was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst. Und wenn´s so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.” Floyd zu Telsa

So richtig kann ich gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich der Film berührte. Einerseits ließ er mich stark in der Nostalgie- und Melancholiekiste herumwühlen, andererseits zeigte er mir aber zugleich auch dass eine Freundschaft auch dann noch bestehen bleiben kann, wenn jemand sich dazu entscheidt, nicht mehr wirklich Teil davon sein zu wollen. Der Streifen ist von der Sorte Film, die in meinen Augen und meinem Herzen niemals enden dürfen. Ich möchte sehen, was aus Floyd wird, ob er doch noch mit Ricco und Walter in Zukunft befreundet ist, wie es Telsa ergeht und, und, und …

Ich glaube, alle weiteren Worte wären an dieser Stelle faktisch einfach zuviel. Stattdessen möchte ich darauf hinweisen, dass der komplette Film auf YouTube zu finden ist. Schaut ihn an und bildet euch eure eigene Meinung. Nur eines noch: Der Film hat eines der schönsten Zitate, das ich jemals in einem deutschen Film gesehen und gehört habe. Ach und ich habe mich in Julia Hummer verliebt. So eine fantastische Stimme.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.