Arbeiten in der Videospielindustrie #1 – Ein glücklicher Zufall (Wie so oft!)

Schon seit Längerem möchte ich mit dieser Artikel-Serie beginnen. Doch jedes Mal, wenn ich vor dem geöffneten Editor sitze, frage ich mich, ob es sich überhaupt lohnt, über das hier zu schreiben. Interessiert es jemanden, wie ich den Einstieg in die Branche gefunden, mit welchen Personen und Magazinen ich gearbeitet habe, und wenn ich die Vor- und Nachteile eines Freien Journalisten aufzähle? Vielleicht, vielleicht auch nicht …

Schlussendlich haben mich jedoch die Menschen dazu bewogen darüber zu schreiben, die immer davon träumen werden, einen Beruf in der Videospielindustrie zu finden. Mein Werdegang kann diesen Enthusiasten möglicherweise als Motivation dienen, und er ist einmal mehr Beleg dafür, dass man nicht immer studiert haben muss, um sein Hobby zum Beruf zu machen.

Ganz am Anfang stand die reine Spielfreude. Ich habe mich seit meinem sechsten Lebensjahr für nichts dermaßen stark interessieren können, als Videospiele (das weibliche Geschlecht jetzt mal ausgenommen). Tag ein Tag aus pilgerte ich von einem Freund zum anderen, um auf dem NES und Super Nintendo Mario, Luigi & Link beim Herumhüpfen und Rätsel-lösen zuzusehen. Recht schnell war mir klar, dass ich irgendwas mit Videospielen zu tun haben wollte. Am besten gleich für Nintendo die ganzen Games testen und den lieben langen Tag nur zocken. Doch alsbald holte mich die Realität ein und nach dem Abschluss an der Realschule, winkte eine Ausbildungsstelle bei einer großen deutschen Versicherung.

Doch nach bereits einem halben Jahr und kurz vor der Probezeit zog ich aus diversen Gründen die Reißleine und orientierte mich beruflich neu. Im Alter von 18 Jahren jobbte ich Nachts bei einem Großhandel im Lager als Paketpacker (oder auch Lagerist) für mehrere Monate, ehe ich eine Praktikumsstelle bei einem lokalen Computer-Händler ergatterte. Doch selbst hier hielt es mich nicht länger als die sechs Monate Praktikumszeit. Nach zahlreichen Bewerbungen trat ich dann die Ausbildung zum Fachinformatiker an. Natürlich waren Videospiele nach wie vor ein großes Thema für mich und ich träumte davon, irgendwann doch noch in der Branche Fuß zu fassen. Der MTV Game One Plauschangriff war daran nicht ganz unschuldig.

Mitten im zweiten Lehrjahr habe ich bei einer kleineren Videospielseite ein Preisausschreiben gewonnen und bekam ein T-Shirt einer in Deutschland indizierten Videospiel-Serie zugesendet (Army of Two). Nachdem ich das T-Shirt erhalten hatte, nutze ich kurzerhand die Gunst der Stunde und erkundigte mich frei aus dem Bauch heraus, ob es denn möglich wäre, eventuell und natürlich ohne Bezahlung für das Medium die eine oder andere News zu tippen. Vielleicht auch ein Review, wenn die Chefredaktion es erlaubt. Und tatsächlich, nach einem längeren Gespräch via Skype, entschied sich Sebastian dazu, mir eine Stelle zu geben.

Der erste Schritt war also getan und ich durfte mich fortan, auch wenn es nur für ein wirklich kleines Magazin gewesen ist, Freier Redakteur schimpfen. Ich war stolz wie Oskar. Ich kann mich sogar noch genau daran erinnern, da ich exakt zehn Minuten vor dem Gespräch Silent Hill 2 durchgespielt habe. Ich glaube das ist ein weiterer Grund, warum für mich der Titel das Beste Spiel aller Zeiten ist. Und wie es der Zufall will, bekam ich bereits nach nur wenigen Wochen beim Magazin die Möglichkeit, einem Entwickler einen Besuch abzustatten. In meinem Kopf machte es Klick und ich fühlte mich, als würde ich unter einem Regen aus purem Gold stehen. Jackpot! Ehrlich gesagt konnte ich mein Glück überhaupt nicht fassen und fühlte mich wie im siebten Himmel.

2 thoughts on “Arbeiten in der Videospielindustrie #1 – Ein glücklicher Zufall (Wie so oft!)

  1. Interessanter Text, da ich gerade am schauen bin, dass ich irgendwie einen Fuß in die Branche bekomme, natürlich mit einer aktuellen Relevanz. Von daher bin ich auch schon sehr gespannt auf Teil 2 🙂

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