Assassin’s Creed Unity

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Es ist ganz einfach: Wenn wir etwas käuflich erwerben, wollen wir auch, dass das Produkt zu 100 Prozent voll funktionstüchtig ist. Dass das bei einem Videospiel aber im Gegensatz zu einem Auto oder einer Action-Figur oftmals nicht der Fall ist, bewies jüngst Ubisoft mit Assassin’s Creed Unity. Bevor jedoch der geneigte Leser dieses Textes damit anfängt, auf mir herumzuhacken, ich solle doch endlich das Thema ruhen lasse, möchte ich das Ganze von einer anderen Seite betrachten. Zwar mag im Allgemeinen das Getobe und Gezeter bezüglich der Performance, der Spielmechanik und dem gesamten Geschäftsmodell von Assassin’s Creed groß sein, doch geht es mir persönlich um etwas gänzlich anderes: Der Spielspaß. Ich selbst bewerte ein Spiel nicht nach seinen Fehlern, Bugs, Glitches und Problemen. Für mich ist es der Spaß, der ein Spiel beim Zocken erzeugt. Gerne auch Emotionen, die mich in ihren Bann ziehen, mit den Charakteren weinen, lachen oder auch vor Angst schreien lässt. Dass dies durch fehlerhafte Programmierung getrübt werden kann, steht natürlich außer Frage.

Eigentlich hatte ich nicht vor, Unity zu spielen, geschweige denn überhaupt zu kaufen. Seit Assassin’s Creed Brotherhood verbindet mich eine Hassliebe mit der Serie. Während ich den ersten Teil für die damalige Zeit wirklich außergewöhnlich und überraschend anders fand und auch heute noch aufgrund der Kletter- und Sprungeinlagen in freudiger Erinnerung habe, hängt mir Brotherhood nur noch zum Hals raus. Assassin’s Creed II ist nach wie vor ein Meilenstein der Serie und wird meines Erachtens zurecht als einer, wenn nicht sogar der beste Ableger bezeichnet. Brotherhood hingegen … okay, man muss fairerweise sagen, dass in diesem Teil die Spielmechanik von Assassin’s Creed II weiter verbessert und dem Spielgeschehen angepasst wurde. Zwar mag das Kampfsystem nach wie vor nicht ausbalanciert genug sein, doch in Sachen Umgebungsstruktur, Geschichte, Eastereggs und Waffen hat die Serie mit Brotherhood einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Warum also liege ich so sehr im Clinch mit dem Titel?

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So banal wie einfach: Ich habe den Titel viel zu oft angefangen zu spielen. Immer wieder und auf verschiedenen Systemen. Klar also, dass es mir irgendwann zuviel geworden ist und ich schlicht und ergreifend einfach keine Lust mehr verspürte, auch nur noch eine weitere Minute mit dem zweiten Abenteuer Ezios zu verbringen. Nach Wochen und Monaten der „Funkstille“, war es dann dem Zufall geschuldet, weshalb ich wieder angefangen habe einen weiteren Ableger der Serie zu spielen. Assassin’s Creed Unity lag als Dreingabe meiner PlayStation 4 bei. Zwar hatte man schon an allen Ecken, Enden und Magazinen, Blogs und auf Twitter wie Facebook nur schlechtes über das Spiel gelesen, da mich jedoch das Setting anspricht, wollte ich mal nicht so sein und den Titel selbst unter die Lupe nehmen. Von wegen Bewertung nach Spaß und so weiter.

Nach Wochen und Monaten der „Funkstille“, war es dann dem Zufall geschuldet, weshalb ich wieder angefangen habe einen weiteren Ableger der Serie zu spielen.

Ich muss sagen, mir gefällt der Titel wirklich gut, wenn auch nach wie vor einige Fehler vorhanden sind, die schon in Assassin’s Creed 1 genervt haben. So hat es Ubisoft auch beim gefühlt tausendsten Teil nicht geschafft, eine adäquate Steuerung innerhalb verwinkelter Räume zu implementieren. Mehrmals ereilte Arno der frühzeitige Pixeltod, weil er eins ums andere wegen schlechter Kameraführung auf Tische und Stühle kletterte. Zusätzlich bedarf es einer hohen Frustschwelle, da sich der schleichende Meuchelmörder stellenweise nicht so elegant von Ort zu Ort krakseln lässt, wie man es als Spieler gerne hätte. Stellenweise fühlt es sich sogar an, als würde die Steuerung einfach keine Lust darauf haben das zu tun, was man gerade eigentlich plant zu tun. Der Einstieg durch ein offenes kann einem dabei ganz gehörig auf die Nerven gehen. Aber gut, das meiste kennt man ja bereits und kann es glücklicherweise verschmerzen.

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Seit der Veröffentlichung von Assassin’s Creed IV: Black Flag dreht sich die Geschichte nicht mehr primär um Desmond Miles und die Geschichte des Eden Apfels. Nichtsdestotrotz bleibt sich Unity im Kern treu. Erneut steht der Konflikt zwischen den Templern und Assassinen im Mittelpunkt, dieses Mal während der Zeit der Französischen Revolution 1789 bis 1799. Man selbst schlüpft in die Rolle von Arno, einem unbedarfen jungen Mann, der bereits früh im Spiel miterleben musste, wie sein Vater hinterrücks ermordet wurde. Kurzerhand wurde von einem Freund des Verstorbenen aufgenommen und als Mündel großgezogen. Hier setzt die eigentliche Geschichte ein und als Spieler begleitet man Arno auf dem Weg des Assassinen. Natürlich steckt aber wieder mehr hinter alles und jedem, als man zu Beginn vermuten würde.

Was das Spielgeschehen jedoch ein wenig trübt, sind die Glitches, Bugs und zahlreichen anderen Fehler … von denen ich aber nichts bemerkt habe! Nach den zahlreichen Beschwerden, Drohungen und ja, simplen gebashe hatte sich Ubisoft um Schadensbegrenzung bemüht und einige Patches nachgeliefert. Mit diesen ist es wie immer ein gutes Assassin’s-Creed-Spiel, mit allen bekannten Ecken und Kanten. Klar, in Sachen Grafik hat sich die Serie weiterentwickelt und auch die gefährlichen Spielerreien Arnos, dem neusten Mitglied der Assassinen-Gilde, sind tödlicher denn je. Was mich aber persönlich am stärksten von Assassin’s Creed Unity überzeugt hatte, war der Koop-Modus. In Bereits zuvor veröffentlichten Ubisoft-Spielen wie Splinter Cell: Blacklist existierte die Möglichkeit, Spieler unter- und miteinander in der Spielwelt agieren zu lassen. Überhaupt ist der Kooperative Modus nichts Neues! Doch in der Welt von Assassin’s Creed eine aus meiner Sicht fantastische Idee.

Bis zu vier Spieler können sich für bestimmte Missionen zusammenfinden (Matchmacking sei Dank!) und auf Meucheltour gehen. Jedoch variieren die Aufgaben nur leicht. Mal müssen Spieler etwas stehlen, eine bestimmte Person über den Jordan schicken oder sich an einer wilden Verfolgungsjagd beteiligen. Zwar kennt man das Ganze bereits aus dem Einzelspieler, zusammen aber lassen sich zahlreiche neue Taktiken anwenden. Zum Beispiel agieren zwei Assassinen als Lockvögel und ziehen mit Lärm und Granaten die Aufmerksamkeit auf sich, während die beiden anderen durchs Fenster einsteigen. Dank dem vorhandenen Free-Running-System ein Klacks!

Unity_Entrance

Vermutlich könnte ich noch ewig weiter über den Inhalt von Assassin’s Creed Unity schwadronieren, jedoch hat auch alles Gute mal sein Ende. Also. Was bleibt abschließend zu sagen? Nun, zu der Sache mit den Bugs und Glitches ist denke ich genug gesagt. Ubisoft weist selbst, dass es absolut imageschädigend ist, wenn man ein Spiel ohne richtig funktionierende Texturen, hin und her glitchende Charaktere und fehlerhafte Spielmechanik auf den Markt wirft. Glücklicherweise sorgen die zahlreichen Patches für Abhilfe, auch wenn bei manchem verärgerten Gamer der Zug schon längst in Richtung „Ich hasse Ubisoft“-Town abgefahren ist. Mir macht das Spiel Spaß beziehungsweise ich habe meinen Spaß damit. Alleine schon wegen der Nähe zu Frankreich (Schwarzwald ahoi!) und meinem Interesse an Geschichte. Mehr noch: Unity hat es geschafft, dass ich wieder mehr Interesse für die Serie aufbringen kann. Daher habe ich beschlossen, auch Assassin’s Creed IV: Black Flag eine Chance zu geben. Davon hat man ja im Grunde nicht schlechtes gehört oder gelesen. Alles in allem vergebe ich an Assassin’s Creed Unity 7 von 10 Baguette!

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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