Ben X

BenX

Erst neulich habe ich wieder damit angefangen, Final Fantasy XIV zu spielen. Wer das Teil nicht kennt: Hierbei handelt es sich, wie der Name bereits verrät, um den 15. Ableger der beliebten Rollenspielreihe, nur dieses Mal online. Und wie ich da bei ein paar Weihnachtsplätzchen auf den Ladebalken starrte, rief ich mir aus purer Langweile die ganzen Onlinerollenspiele ins Gedächtnis, in denen ich über die Jahre aktiv unterwegs gewesen bin. Runes of Magic, Guild Wars, Guild Wars 2, Rubies of Eventide, Lineage II und ganz Archlord … besonders mit dem letztgenannten Titel verbinde ich etwas ganz spezielles: den Film Ben X. Okay, auf den ersten Blick mag hier jetzt nichts besonderes zu finden sein, wer jedoch den Film kennt oder bestenfalls gesehen hat, weiß warum ich diese Aussage tätige.

Worum geht es in Ben X? Grundsätzlich handelt die Geschichte von einem jungen Mann, Ben, der seine Freizeit am liebsten in der Fantasy-Welt von Archlord verbringt. Das aber nicht aus purer Langweile oder weil das Wetter schlecht ist, nein. Ben fühlt sich in den virtuellen Weiten des MMORPGs mehr zuhause, als im richtigen Leben. Ben leidet unter dem Asperger-Syndrom und wird im Alltag ständig auf die schlimmste Art und Weise daran erinnert. Seine Mitschüler schikanieren ihn, Erwachsene können sein Verhalten nicht nachvollziehen und Freunde hat er schon mal gar nicht. Für die meisten Menschen ist Ben zu anders, nicht normal. Umso mehr Ablehnung und Unverständnis auf ihn einwirken, desto stärker vermischen sich Onlinespiel mit Realität. Alles, was ihn noch vom Suizid abhält, ist die Hilfe seiner Spielgefährtin Scarlite. Doch irgendwann kann Ben nicht anders und er offenbart Scarlite, dass er bereit für das Endgame ist.

Ben X ist ein Film, der es spielend schafft, den Spagat zwischen einem spannenden Drama und Aufklärungsfilm abzuliefern. Der Regisseur präsentiert dem Zuschauer all die schrecklichen Probleme, denen sich Ben tagtäglich ausgesetzt sieht. Dabei überschreitet er jedoch nie die Grenze, die das Ganze ins Absurde abgleiten lässt. Auch wenn die Situation in der Schule dem einen oder anderen überspitzt dargestellt sein mag, so beweist uns doch bereits ein Blick in die sozialen Netzwerke, dass eine solche Szene überall passiert beziehungsweise passieren kann.

„Mit rasanten Schnittfolgen und einer Collage aus Realfilm- und Onlinespielszenen greift Ben X eine Reihe schwergewichtiger Themen auf: Mobbing, Selbstmord, Ignoranz sowie Flucht in künstliche Welten und Entfremdung. Die zeitgenössische Problematik gewinnt zudem eine universelle Dimension durch symbolhafte Analogien zur christlichen Passionsgeschichte: ein Kreuz, das sich Ben schmiedet, eine „Erlöserszene“ in der Schulkappelle. Dennoch wirkt der Film nicht überfrachtet, bleibt in seinem emotionalen Kern glaubhaft und nachvollziehbar: Ausgrenzung und Mobbing sind keine Einzelphänomene, sie können uns alle treffen. Dass Ben schließlich einen ungewöhnlichen Weg aus seinem persönlichen Teufelskreis findet, macht Mut: Statt Selbstaufgabe propagiert Ben X Selbstbehauptung.“ – Kirsten Taylor, fluter.de, 4. Februar 2008

Kirsten Taylors Kritik trifft den Nagel auf den Kopf. Ben X mag zwar von der Thematik inhaltlich alles andere als eine Geschichte der Marke „Heile Welt“ sein, dennoch gelang es dem Regisseur einen Film darüber zu machen, wie man es trotz des „anders sein“ oder dem „nicht dem entsprechen, was andere als normal empfinden“ niemals seinen Lebensmut verliert.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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