Catherine

„Verdammte Scheiße, jetzt reis doch mal dein Maul auf und sag ihr was Sache ist! Das kann doch nicht angehen! So ein Vollidiot“ denke ich mir jedes Mal, wenn Vincent die Gelgenheit dazu hat, sein aktuell stark aus den Fugen geratenes Leben doch noch irgendwie hinzubiegen oder zumindest endlich mal mit der Warheit herauszurück. Sei es in Bezug auf Catherine oder Katherine.

Gestatten? Vincent Brooks, Herzensbrecher

Vincent Brooks, 32 Jahre alt, ist der Hauptcharakter des von Atlus stammenden Puzzle-Adventures „Catherine“, welches bis heute exklusiv der PlayStation 3 vorbehalten ist. Und eben jener Vincent Brooks sieht sich innerhalb des Spielverlaufs nicht von einer sondern zwei Catherines/Katherines konfrontiert, da er beide dated, mit ihnen im Bett landet oder, ja, sagen wir wie es ist, nach Strich und Faden verarscht. Eigentlich ist er ein ganz netter Typ, ein bisschen sloppy, langweilig, wenig daran interessiert, etwas in seinem doch recht einseitigen Leben zu ändern, aber im Grunde ein ganz okayer Typ.

Alles beginnt damit, dass eines Tages seine langjährige Freundin Katherine, mit K, von einer möglichen Heirat zu erzählen beginnt. Vincent fällt eben mal  aus allen Wolken und ist auch alles andere als begeistert, dass auch Katherines Eltern, allen voran ihre Mutter, bei diesem Thema etwas pushy rüberkommen. Auch hilft es nicht, dass Vincent später am Abend in seiner Stammkneipe, dem „Stray Sheep“, seinen Freunden davon erzählt und zeitgleich eine SMS von Katherine mit eben jenem Thema zum Inhalt erhält.

Nachdem seine Kumpels die Kneipe verlassen haben, weiß der gelangweilte Taugenichts nichts besseres anzustellen, als sich ein wenig die Kante zu geben. Unter der Woche. Mit Cuba Libre. Und so kommt es, wie es eben kommen muss. Ein liebreizendes blondes Wesen, namentlich da Catherine genannt, dieses mal jedoch wie der Spieltitel mit C geschrieben, gesellt sich zu unserem „Helden“ an den Tisch. Nach einigem Techtelmechtel, ein paar weiteren vielen Drinks, kommen sich die beiden doch recht schnell näher.

Am nächsten Morgen erwacht Vincent mit leichten Kopfschmerzen, weiß nicht so richtig wo er eigentlich ist und was letzte Nacht vorfiel. Als er beim Aufrichten erschreckenderweise feststellen muss, dass Catherine, von der er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal den Namen erfuhr, ebenfalls die Nacht in seinem Bett und folgerichtig mit ihm verbracht hatte, seine kleine Welt plötzlich noch viel, viel kleiner würde.

„Ach. Du. Scheiße!“ ist so ziemlich das Einzige, was Vincenct durch den Kopf schießt, ehe die blonde Schönheit ihre Augen öffnet und den sich halbherzig während Mann an ihrer Seite in die Arme schließt. Für Vincent beginnt nun ein Katz-und-Maus-Spiel mit sich selbst, seiner Vorstellung einer Beziehung, Verdrängung, Ehrlichkeit und Catherine und Katherine.

Mal ehrlich, schlimmer könnte es für den „armen“ Vincent eigentlich gar nicht laufen. So richtig glücklich scheint er in seiner Beziehung zwar nicht zu sein, aber ein Lügner und Beziehungsbetrüger zu sein, ist auch nicht so wirklich sein Ding. Trotzdem hatte er Katherine mit Catherine betrogen, was sich auch recht schnell scheinbar auf seine körperliche Verfassung ausweitet. Nachts hat er Albträume, er sieht antropomorphe Schafe auf Blöcken herumklettern, muss sogar selbst auf diesen rauf und runter krakseln, von A nach B schieben, um nicht in eine scheinbar nie endende Leere zu stürzen. Warum er jede Nacht davon träumt, ist ihm wie dem Spieler zunächst ein Rätsel.

Er weiß nur, dass wenn er eines Nachts dabei versagen sollte, er nicht wie in einem normalen Traum aufwachen und sich am nächsten Morgen neben einer der Catherines/Katherines wiederfinden wird. Sondern sterben. Ja. Einfach tot sein. Tot aufwachen. Falls das überhaupt biologisch irgendwie möglich ist.

Määäääähhhh, Määääähhhhh

Tatsächlich erzählt „Catherine“ das Spiel zwei Geschichten: Zum einen die Liebesleidensgeschichte des notorisch inkonsequenten Vincent, der sich in einem Love-Triangle zwischen Catherine und Katherine gefangen sieht und einer mysteriösen Todesserie von Männern, die im Schlaf auf ungeklärte Art und Weise ums Leben kommen.

Dabei greift das Spiel die urbane Legende auf, dass alle, die in einem Traum fallen und nicht vor dem Aufschlag erwachen, sowohl in der Traumwelt, als auch in der Realität einen Trip über den Jordan antreten. Schon in den ersten Spielminuten erfährt Vincent von einem seiner Saufkumpanen und Kumpels, dass ein Bekannter anscheinend auf diese Art und Weise ums Leben gekommen ist, wobei zunächst lediglich Vermutungen angestellt werden können.

Damit Vincent eben jenes Schicksal erspart bleibt, hat er keine andere Wahl, als um sein Leben zu klettern. Jede Nacht muss er sich in mehreren Leveln einer riesigen Wand an Quadern beweisen, diese hin- und herschieben, um am Ende aus dem (Alb)traum zu erwachen, nur um sich anschließend erneut seinem unfreiwillig, aber dennoch selbstverschuldetem, Tagalbtraum zu stellen.

Die Kletterei variiert dabei von Level zu Level und Abschnitt zu Abschnitt. Mal sind es einfache Kisten, mal gibt es Bomben oder ein verdammtes Eisgebiet zu bewältigen. Es gibt zwar keine wirkliche große Varianz, dennoch bringt jeder neue Bereich zusätzliche Elemente ins Spiel, sodass keine Klettertour einer vorherigen ähnelt.

Man sollte auch nicht vergessen zu erwähnen, dass Vincent in seinem Traum lediglich mit einem Kissen bewaffnet und einer mit roten Herzen übersähten Unterhose bekleidet durch die Gegend klettert. Darüber hinaus wird er von anderen Träumern als Schaf wahrgenommen, das auf zwei Beinen umherstolziert. Das Gleiche gilt übrigens auch für Vince, für den sich die anderen Personen bzw. Schade lediglich durch einige optische Merkmale unterscheidet.

Erica, noch’n Drink!

Eben diese Schafe trifft Vincent aber nicht nur im Traum, sondern läuft einigen davon auch im echten Leben über den Weg, als Mensch versteht sich. Wie unser Herzensbrecher scheinen viele der Träumenden ebenfalls häufig im Stray Sheep zu Gast zu sein, neben Vincents Wohnung Dreh- und Angelpunkt des Spiels. In der Kneipe kann Vince mit seinen Freunden oder fremden Personen quatschen, sich Alkohol hinter die Binde kippen oder auf der Toilette anrüchige Bilder bestaunen, die ihm Catherine per Mail zuschickte.

Als besonderes Schmankerl gibt’s zudem noch einen Arcade-Automaten und eine Jukebox. Bei dem Arcade-Automaten lässt sich eine abgespeckte Variante von Vincents Albtraum nachspielen, hier wird das Ganze jedoch mit dem Namen „Rapunzel“ betitelt und stellt eine ungefährliche Variante Vinces nächtlicher Abenteuer dar. Die Jukebox macht das, wofür sie konzipiert wurde und spielt Musik ab. Mit voranschreitender Spieldauer bekommt unser Held die Möglichkeit, verschiedene Stücke anderer Atlus-Games abzuspielen, beispielsweise aus der Shin Megami Tensei oder Persona-Reihe.

Und wem das noch nicht genug ist, kann sich bei Erica einfach noch ein paar Cuba Libre bestellen. Cheers!

Catherine oder Katherine?

Über sechs Jahre habe ich gebraucht, ehe ich mich endlich an Catherine herangetraut habe. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte um Vincent, der es einfach nicht auf die Kette bekommt, sein Leben irgendwie in Ordnung zu bringen, hat mich so sehr interessiert, dass ich so schnell wie möglich die Klettersequenzen hinter mich bringen wollte. Es war fast schon ein innerer Zwang zu erfahren, wie es um unsere drei Lovebirds bestellt ist, wer am Ende mit Vince zusammen kommt oder ob überhaupt eine Beziehung am Ende des Tages besteht. Natürlich hat das Spiel auch seine Schwächen, welche besonders in Form der schlechten Steuerung in den Abltraumsequenzen zum Tragen kommt. Dennoch und gerade als Fan von derlei Japano-Games, bereue ich es nicht eine Sekunde, „Catherine“ gekauft zu haben.

Und wenn ihr mich entschuldigen mögt, ich gehe jetzt ins Bett und werde hoffentlich nicht von kletternden Schafen träumen.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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