Fallout 3 oder warum die Apokalypse der USA nichts für mich ist

Die E3 in diesem Jahr war richtig stark. Man kann ohne Probleme behaupten, für jeden war etwas dabei. Egal, ob als Fighting Fan mit Street Fighter V, Shadow of the Colossus-Anhänger mit The Last Guardian oder als inniger Verehrer von Final Fantasy VII, einen Grund zum Feiern gab es mehr als genug. Viele zeigten sich bereits am ersten Tag der wohl wichtigsten Messe für Videospiele begeistert; Fallout 4 wurde endlich, und nach einer gefühlten Ewigkeit und zur Freude aller, offiziell angekündigt. Für mich persönlich gibt es da nur ein klitzekleines Problem: Fallout lässt mich völlig kalt und könnte nicht belangloser sein. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht mal wirklich Fallout 3 gespielt und verstehe auch den Ganzen Hype um die Serie nicht so richtig. Aber hey, bevor nun hier irgendwelche Todesdrohungen via Mail oder der ja fast schon obligatorische mit Antrahx gefüllte Brief ins Haus flattert, habe ich mich vor ein paar Tagen nochmal ein auf den Hintern gesetzt und versucht mit Fallout 3 warm zu werden. Mein Fazit nach vier Stunden, 27 Minuten und 13 Sekunden: Naja. Geht so.

Fight

Fallout 3 erschien bereits 2007 für PC, PlayStation 3 und XBox 360 im Handel. Damals befand ich mich selbst noch in der Hochphase meiner Sammelgier. Egal, welches Spiel, ob neu oder alt, musste sich in meiner Sammlung befinden. Unzählige Freunde und Bekannte feierten damals eben dieses Spiel ab und priesen es als den neuen Messias des Apokalypse-Genres; zumindest kam es mir so vor. Überhaupt konnte man für eine gewisse Zeit keine Homepage oder Seite eines Videospiel-Magazins aufrufen, ohne mit dem markanten Äußeren eines Mitglieds der Stählernen Bruderschaft (BoS – Brotherhood of Steele – engl.) konfrontiert zu werden. Irgendwann war mir diese Ganze Lobhudelei zu viel und ich habe bei einem Räumungsverkauf eines ortsansässigen Großhändlers die Brotbox-Version von Fallout 3 für die PlayStation 3 ergattert.

Zuhause habe ich mich dann erstmal ein wenig mit dem ganzen Brimborium um das Spiel beziehungsweise die Serie an sich auseinandergesetzt. Fallout existiert bereits seit Jahrzehnten in den verschiedensten Variationen, wenn auch bislang (zumindest zum damaligen Zeitpunkt) nur zwei offizielle Hauptspiele erschienen sind.

  • Fallout
  • Fallout 2
  • Fallout 3
  • Fallout: New Vegas (Irgendwann, nach Teil 3 veröffentlicht)
  • Fallout Tactics
  • Brotherhood of Steel
  • Fallout Online

Dem Prinzip klassischer Fantasy-Rollenspiele folgend, begibt man sich in Fallout 1 und 2, später dann auch in Fallout 3, mit einem selbst erstellten Charaktere auf eine Abenteuerfahrt. Während man beispielsweise in Super Mario Prinzessin Peach vor Bowser retten muss, besteht in Fallout die Aufgabe darin, die Bewohner des eigenen heimatlichen Bunkers vor dem sicheren Tod zu bewahren. Das Spiel handelt einige Jahre nach dem Ende des letzten großen Krieges der Menschheit und lässt den Spieler das Ganze aus der Sicht eines Überlebenden der Apokalypse erleben. Geschützt durch die schweren Stahltüren des Luftschutzkellers, haben die Bewohner sogenannter Vaults nur wenig von dem Terror und Leid der Außenwelt mitbekommen, das durch den sogenannten Fallout (zu deutsch „Radioaktiver Niederschlag“) entstanden ist . Als dann eines Tages jedoch ein Computerchip der Wasseraufbereitsungsanlage seinen Geist aufgibt, ist es an dem Spieler samt seinem Charakter, sich auf der Suche nach einem geeigneten Ersatzteil an die Erdoberfläche zu begeben und sich mit dem Erben der grausamsten Seite der Menschheit auseinander zu setzen.

BigCityLife

Ähnliches erleben die Spieler auch in Fallout 3, wobei man hier unter anderen Umständen dazu gezwungen wird, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Entgegengesetzt zu den klassischen Fallout-Spielen, erlebt man das Spielgeschehen nicht aus der Vogelperspektive. Die Ego-Ansicht soll einen noch tiefer in das Geschehen auf dem Bildschirm ziehen und so mehr denn je eine Endzeitstimmung ins heimische Wohn- oder Spielzimmer übertragen. Überhaupt hat sich die Herangehensweise zu den Vorgängern deutlich geändert. So startet man das Spiel bereits im digitalen Babyalter und durchläuft die verschiedenen Altersstufen, ehe die Spielfigur kurz nach Erreichen der Volljährigkeit unter skurrilen Umständen den Vault verlassen muss.

Von da an entspinnt sich eine Geschichte, die den eigenen Charakter auf die unterschiedlichsten Figuren aber auch Monstern treffen lässt. Dabei, und für ein Bethesda-Spiel typisch, sind dem Spielenden förmlich keine Grenzen gesetzt. Der Held kann zu jedem Zeitpunkt im Spiel auf seinem Weg umdrehen und sich in klassischer Open-World-Manier für eine andere Rute entscheiden. Daneben wartet das Spiel mit verschiedenen Fähigkeiten auf, die sich mit dem Vorantreiben des Levelbalkens nach und nach freischalten oder verbessern lassen. Beispielsweise sorgt der Skill „Lady-Killer“ dafür, dass man in der Interaktion mit weiblichen NPCs zusätzliche Dialogoptionen freigeschaltet bekommt. Somit eröffnen sich dem Spieler Wege, die ohne diese Option nicht zur Verfügung stünden.

Outworld

Im Großen und Ganzen klingt das alles ja schön und gut, doch möchte ich nun eben all das festhalten, was mich an dem Spiel so immens stört. Zum einen ist die im Pipboy, ein universell einsetzbares Armband, dass im Spiel als Inventar und Skill-, Karten- sowie Missionsmenü dient, eingebaute Weltkarte einfach nur schlecht. Natürlich lassen sich verschiedene Örtlichkeiten auf dem Gerät anzeigen, doch für meinen Geschmack so optisch schlecht, dass ich gut und gerne die eine oder andere Minute damit verbracht habe, nach einem Eingang oder Charakter zu suchen ohne diesen am Ende gefunden zu haben.

Pipboy

Des Weiteren finde ich das Kampfsystem absolut grottig. Man kann seinen Feinden in typischer Ego-Shooter-Manier begegnen und diese Call-of-Duty-like abballern, jedoch legen die Entwickler wert darauf, dass man das im Spiel integrierte V.A.T.S. System nutzt. Hierbei wird das Spielgeschehen kurzzeitig eingefroren, währenddessen sich der Spieler für eine anzuvisierende Körperpartie des Feindes entscheidet. Diese wird dann mit einer Prozentzahl versehen angezeigt, was die Wahrscheinlichkeit eines Treffers wiedergibt. Ich persönlich finde, dass dieses System die Dynamik aus den Kämpfen nimmt, weil das ganze Einfrieren des Spielgeschehen nicht gerade dem Spielfluss dienlich ist. Natürlich mag das von den Entwicklern erdacht worden sein, um dem Spieler eine noch größere Gewalt über seinen Charakter zu gewähren oder um Fallout 3 eine taktischere Tiefe zu verpassen. Alles schön und gut, jedoch ist das absolut nichts für mich. Darüber hinaus ist das Schießen aus der Ego-Perspektive extrem ungenau.

SuperMutantFights

Zum Abschluss nun der größte Kritikpunkt. Ich kann mit dem Apokalypse-Setting aus Fallout 3 absolut nichts anfangen. Klar, gibt es hin und wieder Filme wie „The Road“ oder „Mad Max“, die mich trotz des gegebenen Settings in ihren Bann ziehen. Bei Fallout 3 hat mich jedoch die gesamte Darstellung und bildliche Aufbereitung eines zerstörten Teils der USA völlig kalt gelassen. Jedes kaputte Gebäude erinnert an das, was zwei Minuten die Straße runter liegt. Klar, es handelt sich um einen Konsolentitel dennoch haben andere Spiele gezeigt, dass nicht alles gleich aussehen muss.

Natürlich ist der gesamte Text, oder zumindest der Abschnitt mit den mir aufgefallen negativen Aspekten durchweg Subjektiv. Objektivität sucht man hier vergebens und möchte mich nun bei all denjenigen entschuldigen, die diese hier vermisst haben. Aber seit drum: Mir gibt Fallout 3 nichts und vermutlich wird das auch bei Fallout 4 der Fall sein. Falls nicht, was mich aber sehr stark wundern würde, bin ich der letzte der sich darüber beschwert.

Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Ich möchte nun aber nochmals darauf hinweisen, dass ich zwar Fallout 3 nicht mag, dennoch andere Spiele von Bethesda wirklich großartig finde, allen voran The Elder Scrolls: Skyrim. Also, ihr modernen Internetkiddies „Leben und Leben lassen“ ist das Motto des Tages. Cheers!

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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