Das bin ich

Das erste Mal aus dem Elternhaus auszuziehen ist etwas Tolles. Man freut sich auf die neue Welt, ist gespannt, mit seinen Füßen als „Erwachsener“ im vermeintlichen „Garten Eden Lust zu wandeln“ und ist felsenfest davon überzeugt, alles im Griff zu haben. Recht schnell stellt sich dann Ernüchterung ein; man wird mit Rechnungen, Mahnungen, Nachzahlungen, wichtigen Arzt- und Handwerksterminen – die selbstverständlich in Eigenregie organisiert und koordiniert werden – konfrontiert und verliert im Großen und Ganzen recht schnell die Lust am „Erwachsen sein“.

Nicht zu vergessen, das Privatleben muss auch stets auf dem neusten Stand gehalten werden. Neben der Beziehung mit dem Partner gilt es zugleich der Familie wie auch den zahlreichen Freunden gerecht zu werden und über alles und jeden informiert zu sein. Ohne große Vorwarnung sieht man sich alsbald mit etwas konfrontiert, was die meisten Erwachsenen fast schon als Normalzustand empfinden: Stress oder gestresst sein.

Stress wird häufiger als gedacht mit etwas Gutem assoziiert, wenn man der Boulevard Presse hin und wieder Glauben schenken darf. Doch in den meisten Fällen ist Stress mehr als negativ und sorgt für regelmäßige Probleme. In meinem Fall waren es Blackouts, Panik Attacken und Depressionen. Ich habe schon oft darüber gesprochen, mit einigen (vielen) Menschen. Aber offen darüber geschrieben – noch nie. Nach außen hin vertrat und vertrete ich stets die Meinung, dass man über derlei Themen frei und ohne Angst reden kann und auch sollte. Aber selbst darüber geschrieben habe ich nie, bis jetzt. Doch warum gerade jetzt?

Wie ich bereits auf verschiedenen sozialen Medien mitteilte, erfreue ich mich derzeit an einer neuen Wohnung. Vielleicht nicht ganz im Herzen, aber dennoch in Berlin. Auch wenn es mir noch schwer fällt, so kann ich der großen Stadt mittlerweile schon ein paar Dinge abgewinnen. Es ist eben einfach nicht München und da werden mir einige viele garantiert zustimmen. Oder ausschweifende Gegenargumente liefern. Aber so oder so, verfügt Berlin über einen gewissen Charme, den ich der deutschen Hauptstadt nicht absprechen möchte. Bereits Ende Dezember habe ich einen Raum in einer WG bezogen, doch war für mich von vornherein klar, dass dieser nur als Übergangslösung fungierte. Jetzt, nach über drei Monaten und einigen relativ schlaflosen Nächten auf einer Luftmatratze, sitze ich das erste Mal in meinem neuen Bett und kann die vergangen Tage und Wochen Revue passieren lassen.

Viele schöne, aber auch viele negative Eindrücke hat Berlin für mich hinterlassen. Eben diese „Ereignisse“ stimmen mich nun nachdenklich darüber, was in meinem Leben alles schief, aber auch richtig läuft. Das führt mich zwangsweise zurück zu meiner Zeit, als ich das erste Mal die schützende Mauer des Elternhauses verlassen und mich selbst der großen Welt gestellt habe.

Was folgten waren Jahre, problembeladen mit Depressionen und Panikattacken, die mich zu dem Mensch haben werden lassen, der ich heute bin und einige mögen, andere wiederum nicht leiden können.Viel zu oft habe ich versucht mich in irgendeiner Art und Weise zu ändern, um bestimmten Personen zu gefallen oder bei anderen einen besseren Eindruck zu hinterlassen. Aber jedes Mal fiel ich auf die Schnauze. Sei es in Bezug auf jemanden oder mir selbst gegenüber. Auch heute noch unterlaufen mir Fehler oder ich tue Dinge, die mich im Nachhinein sehr stark ärgern – fast schon eine gewisse Art von Panik aufkommen lassen. Ich rede, wenn es besser wäre den Mund zu halten und kriege den Schnabel nicht auf, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Auch „Nein“ zu sagen ist nicht eine meiner Stärken.

Warum ich gerade jetzt darüber schreibe? Weil es einfach sein musste. Ein guter Bekannter von mir meinte einmal, dass das Schreiben wie eine Art Therapie wirkt. Man formt Gedanken und Gefühle zu Worte und kann diese so nach außen tragen. Ob es etwas hilft, irgendjemanden nützt oder für etwas gut ist, ist dabei vollkommen egal. Mir ging und geht es hierbei vorrangig darum meine Gedanken auf (digitalem) Papier niederzuschreiben.

Und trotz aller Fehler und Probleme glaube ich immer noch, dass ich im Großen und Ganzen einer von den Guten bin.

Nur eben nicht perfekt.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

2 Comments

  1. April 23
    Reply

    Wer ist schon perfekt? Viele der genannten Probleme sind auch mir nicht fremd und darum denke ich, dass du dir auch mal auf die Schulter klopfen darfst, weil du dich einfach trotzdem weiter durchboxt.

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