It Follows

Schon seit einigen Jahren sind Horrorfilme mehr als nur billig produzierter Schund oder werden rein von eingefleischten Genre- bzw. Szenenfans abgefeiert. Ganz im Gegenteil: gemeinsam im Kino gruseln ist Kult und sorgt seit geraumer Zeit für hohe Einspielergebnisse. Doch oftmals Ãhneln sich die Filme zu sehr oder werden nach einem erfolgreichen Erstling zu einer seelenlosen Marketingserie ausgeweitet. Jede der Fortsetzungen besitzt zwar verschiedene Aspekte der Ursprungsthematik, verliert aber zunehmend das Ziel aus den Augen: den Zuschauer mit originellen Ideen, dem einen oder anderen Jumpscare und solider Schauspielkunst in Angst und Schrecken zu versetzen. Glücklicherweise ist „It Follows“ ein Film, der die eben erwähnten Aspekte beherzigt und zurück auf die Leinwand bringt. Und obwohl der Streifen auf den Pfaden bekannter Urgesteine wandelt, bietet das Geschehen auf der Leinwand genügend Neues, was Kinobesucher erschaudern lässt, gleichzeitig aber auch nachdenklich stimmt.

Der Film beginnt mit einer jungen Frau, die wie von Sinnen aus einem Haus herausstürmt und dabei immer wieder panische Blicke auf ein nicht ersichtliches Etwas wirft. Augenblicke später rast sie mit ihrem Auto davon und wird am nächsten Morgen tot aufgefunden.
Die Handlung wechselt nun zu Jay Heights (Maika Monroe), einem jungen und hübschen Mädchen, das davon träumt eines Tages mit ihrem ersten richtigen Freund durch die Gegend zu fahren und die Natur zu genießen. Mit Hugh (Jake Weary) dated sie derzeit einen Typen, der ihr langsam aber sicher das Gefühl gibt, der Richtige zu sein. Es kommt zum Geschlechtsverkehr, in dessen Anschluss Jay Hugh ihre Träume und Wünsche offenbart. Doch anstatt Verständnis und Zärtlichkeiten von ihm zu erfahren, wird sie mit einem Chloroform getränkten Tuch bewusstlos gemacht.
Wenig später erwacht sie an einen Rollstuhl gefesselt in einem heruntergekommenen Gebäude. Hugh erklärt ihr völlig aufgelöst, dass sie fortan von einem unbekannten Wesen verfolgt wird und sich nur durch Sex mit einer anderen Person temporär davor schützen kann. Nach einer Konfrontation mit dem Wesen beginnt Jay mit ihren Freunden sich zu verstecken, was aber fast zu ihrem eigenen Tod führt. Immer wieder scheint das Wesen wie aus dem Nichts zu erscheinen. Jay beginnt langsam aber sicher jegliche Hoffnung auf Rettung zu verlieren …

Wie eingangs erwähnt, bietet der Film eine neue und spannend inszenierte Geschichte. Und das, obwohl die Thematik vom Filmmonster, einem Nemesis, das den Hauptdarsteller von der ersten Minute an verfolgt, nicht neu ist. Man erinnere sich nur an Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ in dem Leatherface eine Frau mit erhobener Kettensäge quer durch einen finsteren Wald jagt. Doch im Gegensatz zu „It Follows“ bleibt der Charakter des Leatherfaces stets greifbar, und etwas, das mit Gewissheit und etwas Glück besiegt werden kann. In „It Follows“ ist das jedoch komplett ins Umgekehrte gedreht. Nur Personen die Sex hatten können den Verfolger sehen und auch „bekämpfen“.

Apropos Sex: überhaupt ist das gesamte Szenario als Reminiszenz an alte Genrenklassiker zu verstehen. Was bereits in „Scream“ 1996 vollständig aufgeklärt bzw. in gewissem Maße auch persifliert wurde, ist in „It Follows“ der gesamte Handlungsstrang. Bei Filmen wie „Freitag, der 13.“ oder „Nightmare on Elm Street“ galt die Devise, wer Sex hat stirbt. Simpel und Einfach. In dem Film von Regisseur David Robert Mitchell stirbt die handelnde Person zwar nicht augenblicklich, sieht sich aber dennoch mit dem unweigerlichen Tod konfrontiert.

Als Fan von Filmen wie „Insidious“ oder „The Conjuring“ wird man von „It Follows“ vielleicht etwas enttäuscht werden. Natürlich gibt es hin und wieder Momente, die dem Zuschauer aufgrund aufbrausender Musik und Kamerfahrt einen möglichen Schreckmoment vorgaukeln. Dennoch wird der Film vielmehr von der Grundstimmung des Unwohlseins, ja fast schon Paranoia und Verfolgungswahn dominiert. Aber genau das ist es, was den Film von anderen aktuellen Horrorstreifen abhebt und eher ihm eher das Prädikat Gruselfilm verleiht.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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