München – Ein kleines großes Leben

Eine Trennung ist oftmals mit viel Herzschmerz verbunden. Nicht immer für beide Personen, doch zumindest eine von beiden leidet zu einem gewissen Maße an Traurigkeit, Wut oder auch an Verzweiflung. Eine Trennung muss aber nicht immer zwischen zwei Menschen stattfinden. Sie kommt zum Beispiel auch zustande, wenn man sich von geliebten Dingen trennt oder eine Stadt verlässt. In meinem Fall war es sowohl eine Trennung, als auch das Verlassen von München, die Stadt, in der ich wohl die interessantesten knapp zwei Jahre meines bisherigen Lebens verbrachte.

Am 1. Dezember 2012 begann für mich die Arbeit bei Gameswelt. Damals war ich nur in Teilzeit beschäftigt und konnte mich dementsprechend weiter um meine eigentliche Leidenschaft wie auch Arbeit kümmern: Dem Schreiben. Aufgrund der Medienpräsenz verschiedener großer Agenturen und Firmen, lohnte es sich aus wirtschaftlicher Sicht, nach München zu ziehen. Doch nicht nur Events und diverse andere Pressetermine waren so leichter für mich wahrzunehmen, nein auch mein Freundeskreis stieg exponentiell an. Ich lernte viele Menschen kennen, von denen ich heute mindestens eine Handvoll zu den besten Menschen zähle, die ich jemals kennengelernt habe.

Doch abgesehen von reinen Freundschaften, erlebte ich München auch aus der Sicht des Verliebten, Wahnsinnigen und Melancholischen. Wer mich kennt, weiß, dass ich wohl die größte und schnellste Klappe diesseits des Nils besitze, und daher meine Gefühle meist … eigentlich immer … offen mit mir herumtrage. Egal, ob es gerade im Job nicht so klappte, wie ich es wollte oder die Freundin mich sprichwörtlich vor die Tür gesetzt hat, ich habe und werde immer offen über das reden, was mir auf dem Herzen liegt.

Und wenn wir schon beim Thema sind: während der Zeit in München hatte ich drei Beziehungen. In meiner ersten habe ich wirklich viel Mist gebaut. Es wurden Dinge nicht ausgesprochen, die hätten gesagt werden müssen(!). Ich hätte wirklich einiges besser machen können, doch manchmal ist man in seinem Handeln beschränkt. Sei es aus Ignoranz, Naivität oder purer Dummheit. Beziehung Nummer 2 stand dann im Gegensatz dazu im Großen und Ganzen unter dem Zeichen des „sich treiben lassen“. Ich hatte Angst, vor dem Alleine sein und redete mir ein, eine gewisse Person zu sein, die ich nicht bin. Es gab ständige Streitereien; ich machte mir etwas vor, durchgehend. Diese Zweisamkeit endete in einem Streit. Diese Trennung führte dann indirekt zu meiner dritten Beziehung, die sich im Grunde richtig anfühlte. Gemeinsamkeiten, Chemie, es passt einfach. Doch manche Menschen tragen im Gegensatz zu mir ihre Dämonen mit sich selbst herum, zwingen sich jeden Tag etwas zu sein, was sie von sich selbst erwarten, aber es im Endeffekt nicht sein können und auch wollen. Noch nicht, oder niemals. Daher wurde auch dieser Beziehung nach bereits wenigen Wochen der Laufpass ausgestellt. Doch so viele Tränen hier auch geflossen sind und das Herz hin und her geworfen wurde, kann ich im Endeffekt ehrlich sagen, dass ich keinen Augenblick bereue. Keine der drei Beziehungen. Jede Person war und ist etwas besonderes; auf ihre Art und Weise. Und jeder Mensch hat das Recht darauf glücklich zu sein, so oder so.

Daher ist irgendwann auch die letzte Träne vergossen und man selbst ist bereit für etwas Neues, nicht minder Spannendes und Aufregendes. Die Vergangenheit kann niemals wiederbelebt werden. Und nach einiger Zeit hat man dies verinnerlicht und kann weitermachen. Und wenn es wegen den banalsten Gründen ist.

Aber halt! Da wäre ja noch meine vierte Trennung! Von München. Der Stadt, die gerne von ihren Bewohnern als das größte Dorf der Welt bezeichnet wird. Man trifft Bekannte mit einer Pommesschale in der Hand und mitten auf der Staße ein Gebäue ansehend stehen, hat die mit dem Stachus, Sendlinger Tor und Marienplatz im Grunde den kompletten Kern der Stadt abgedeckt und bewegt sich auch so immer im gewohnten Rahmen beziehungsweise Raum. Doch gerade jetzt, wenige Tage nach der letzten Beziehung bin ich froh, die Stadt hinter mir lassen zu können. Zumindest für eine Weile.

So viele Freunde und Bekannte auch in München leben, so unangenehm ist es derzeit für mich, dort zu verweilen. Natürlich verbinde ich auch viele fantastische Erlebnisse mit der Stadt. Die erste Silvesterfeier in einer Großstadt, das teuerste Steak meines Lebens, das Münchner Filmfest 2013, zu fünft in einer 20 m² Wohnung schlafen, Eislaufen auf dem Stachus, die Allianz Arena und die Gesänge der FC-Bayern-Fans, mit dem Killians Pub die erste richtige Stammkneipe gefunden zu haben, zu zweit an der Isar sitzen, Bier trinken und über die Zukunft reden, die unzähligen Biergartenbesuche, das mit einem Kumpel in einem winzigen Bett pennen und dabei halb auf dem Boden liegen, zuviel Alkohol trinken, Zum Frühstück Pancakes bekommen und Bacon braten, den wohl besten Schocki der Welt entdecken, der erste Spaziergang durch das Nymphenburger Schloss, eine Turtles-Figur geschenkt zu bekommen, eine Beste-Freundin zu haben, die einen genau versteht und weis, wie man einen trösten aber auch in den Hintern treten kann, den einen Kumpel, der wirklich immer für einen da war und ist und vieles mehr. Doch das Wichtigste von allem, ich habe gelernt Verantwortung zu übernehmen. Mich und mein eigenes Leben zu managen und trotz der ganzen Höhen und Tiefen, nie den Glauben an mich selbst zu verlieren. Und dafür bin ich München unendlich dankbar.

Für alles.

Sowohl für die schlechten, als auch die guten Dinge des Lebens.

Danke München, für alles.

Flo

München_byebye

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

4 Comments

  1. Hey Flo,

    schön und offen geschrieben. Ein bisschen Wehmut, ein bisschen Melancholie und ganz viel Hoffnung und Optimismus schwingt in deinen Zeilen mit. Den Optimismus behälst du hoffentlich in deiner neuen, tollen Stadt bei. 🙂

    Liebe Grüße

  2. Juli 16
    Reply

    Hm, Text ist so lang. Habe nur kurz via Strg+F nach „Sandro“ gesucht. Kommt nicht vor. Text kann nicht richtig sein. Zurück an den Autor.

    • Flo
      Juli 17
      Reply

      🙂 „… mindestens eine Handvoll zu den besten Menschen zähle …“

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