Nintendo, ich liebe dich!

nintendo
Es ist 1996 und … ich habe keine Freundin, die sich irgendendwo alleine bräunen könnte. Stattdessen sitze ich, völlig verpennt, in meinem Pyjama auf der Eckbank in der Küche meiner Eltern und starre auf eine Benjamin-Blümchen-Geburtstagstorte. Das Zeug war damals der letzte Scheiß. Doch wie es für einen kleinen Jungen, der gerade seinen sechsten Geburtstag feiert, so ist, war ich viel eher an den Geschenken interessiert. Weg mit dem Kuchen, gebt mir Spielzeug! Turtles, Batman und noch mehr! Ich will alles!

Doch anstatt mit Geschenken überhäuft zu werden, gab es nur ein Paket. What the fuck? Nur eines? Hallo!? Ich bin ein Junge, der nichts lieber tut, als mit seinen Comic-Helden durchs Gelände zu pflügen und zum tausendsten Mal Gut gegen Böse kämpfen zu lassen. Stattdessen gibts nur ein mickriges Geschenk? Naja, was solls. Reise ich es halt auf.

Bereits nachdem ich eine Seite des Geschenkpapiers förmlich in der Luft zerissen habe, begann mein Herz schneller zu schlagen. Nintendo. Fuck yeah! Ich konnte zwar noch nicht wirkich lesen, aber das Logo von fucking Nintendo erkannte ich damals schon aus zehn Kilometer Entfernung. Schneller als Super Mario auch nur „It’s a me, Mario“ ausrufen könnte, löste ich den Rest des Geschenkpapiers von dem Nintendo-Karton und starrte mit glassigen Augen, die mittlerweile die der Größe eines Mondes angenommen haben, auf das Geschenk meiner Eltern.

SuperStarSetBei dem Geschenk handelte es sich um einen GameBoy (Classic) in der Farbe Grau, zusammen mit den zwei Spielen Super Mario Land 2: The Six Golden Coins und The Legend of Zelda: Link’s Awakening. Bis heute zähle ich sogar eines davon, Link’s Awakening, zu den besten Abenteuer-Games, die jemals geschaffen wurden. In den folgenden Tagen und Wochen tat ich gefühlt nichts anderes, als Stunde um Stunde Mario und Link durch ihre Abenteuer zu folgen.

Ich schreibe darüber, weil derzeit in den Medien erneut diskutiert wird, ob sich Nintendo nicht doch aus dem Konsolengeschäft zurückziehen sollte. Grund hierfür sind die schlechten Verkaufszahlen der Nintendo Wii U und die nicht erreichten Verkaufsziele des Nintendo 3DS/3DS XL. Das Unternehmen selbst gilt als Begründer der modernen Heimkonsole. Zwar hatte bereits Magnavox mit der Odyssey die erste, als solche geltende, Konsole veröffentlicht, doch war es die japanische Firma, die mit der NES (Nintendo Entertainment System) besagte Geräte salonfähig machte.

nintendo_konsolenUnd er Markt boombte. Nach dem gigantischen Erfolg des NES folgte das SNES, kurz Super Nintendo, das noch größere Aufmerksamkeit und somit finanziellen Erfolg erlangte. Doch wie bei fast jedem größeren Konzern, kommt irgendwann der Punkt, da es, sagen wir nicht bergab, in andere Richtungen geht. Auf das Super Nintendo folgte das Nintendo 64, das erstmals richtige Polygon/3-D-Grafiken bietete. Super Mario 64 schlug ein wie eine Bombe. Noch heute gilt das Spiel als die Blaupause für alle 3-D-Jump-&-Run-Abenteuer. Das N64 verkaufte sich zwar gut, doch bekam Nintendo mit Sony und SEGA, wovon letztere Firma bereits zu Zeiten des SNES mit dem hauseigenen Sega MegaDrive Nintendo Parolie bieten konnte, starke Konkurrenz. Besonders Sony und dessen PlayStation 1 fand bei Videospiel-Fans rund um den Globus großen Anklang. Nintendo sah sich langsam aber sicher gezwungen, es mit mehreren Parteien gleichzeitig aufzunehmen.

Mit der Zeit verschwand zwar SEGA aus dem Konsolenmarkt, wurde die Lücke jedoch von niemanden geringeres als Windows-Hersteller Microsoft und der Xbox ausgefüllt. Mehr und mehr rückte Nintendo in den Hintergrund. Während die coolen Kids nur noch mit der PlayStation und Xbox beschäftigt waren, galt die N64-Nachfolgekonsole, der GameCube, und andere Nintendo-Produkte als etwas, das man jüngeren Semster in die Hand drückt. Doch Nintendo gab nicht auf, vielmehr verstärkte es seine Bemühungen, weiterhin als Konsolenentwickler für voll genommen zu werden. So verkaufte sich die der GameCube-Nachfolger, die Nintendo Wii weitaus besser als die Konsolen der Konkurrenz. Bis heute wanderten über 100 Millionen Wiis über die Ladentheke. Die Zukunft sah für Nintendo also trotz allem roßig aus. Oder nicht?Fanboys-Eyes-Microsoft-Sony-NintendoLeider hatte die Wii den kleinen aber fatalen Fehler, keine HD-Optik bieten zu können. Anstatt ordentlich Grafikpower zu besitzen, setzte Nintendo auf eine neuartige Bewegungssteuerung, was im Endeffekt auch für die hohen Verkaufszahlen sorgte, da nicht nur Core-Gamer sondern auch der Durchschnittstyp von der Straße sich die Konsole ins Haus holte. Dadurch wiederum ist es nun erst mit der Nintendo Wii U, die seit Ende 2012 im Handel erhältlich ist, möglich, grafisch anspruchsvollere Spiele zu erleben. Dumm nur, dass die mögliche Grafikpower nur leicht besser als die der Xbox 360 und PlayStation 3 daherkommt. Sony und Microsoft wiederum haben bereits ihre richtigen Next-Gen-Konsolen, PlayStation 4 und Xbox One, veröffentlicht. Auch hier kann Nintendo in Sachen Grafikpower erneut nicht mithalten. Stattdessen gibt es eine Weiterentwicklung in der Art der Steuerungseingabe.

nintendo_wii_u_blau_schwarz

Anstelle weiterhin auf eine Bewungspad zu setzen, bietet das Nintendo Wii U Gamepad einen Hybriden aus klassichem Spielecontroller und einem Tablett. Spielern ist es so zum Beispiel möglich, den Inhalt ihres Inventars zu begutachten, ohne das laufende Spiel durch ein Pausenmenü zu unterbrechen. Im Grunde eine kleine Revolution. Etwas neues, das mehr Variation in das sich fast schon festgefahrene Konsolenlager bringt. Doch anstatt massiven finanziellen Erfolg zu erfahren, muss Nintendo eins ums andere die eigene Gewinnprognossen nach unten korrigieren. Journalisten und Kenner der Szene sprechen mittlerweile davon, dass sich Nintendo am besten ganz aus dem Konsolengeschäft verabschieden und lieber Software sowie rein Handheldkonsolen entwickeln soll.  Tatsächlich gibt es zum Entstehungsaugenblick dieses Artikels einige Gerüchte, laut denen Nintendo eventuell Spiele für andere Plattformen entwickeln wird oder zumindest mit dem Gedanken spielt. Zumindest in Sachen Smartphone-Games wird es keine Spiele von Seitens Nintendo geben.

super_mario

Doch egal wie Nintendo sich in Zukunft entscheiden wird, es wird immer einen kleinen Platz in meinem Gamerherzen einnehmen. Alleine die Stunden mit Pokémon, The Legend of Zelda, Super Mario und, und, und. Kaum ein anderer Konsolen-, Software- und Handheldhersteller hat so viele tolle Produkte auf den Markt geworfen, die mich seit meiner frühesten Kindheit durch meine „Gamer-Karriere“ begleiten. Zum Beispiel habe ich mir extra für The Legend of Zelda: Skyward Sword die Nintendo Wii gekauft. Oder meinen alten, ersten GameBoy. Das Ding ist nach der gefühlt 1000. Stunde Pokémon förmlich in Flammen aufgegangen. Ich wünsche für Big N nur das Beste. Zwar wäre es schön, Mario auf einer Xbox One oder PlayStation 4 zu erleben, doch hoffe ich, dass Nintendo auch noch in 20 Jahren neue Konsolen auf den Markt bringt.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

Ein Kommentar

  1. Februar 15
    Reply

    Ich denke, man sollte Nintendo nicht zu sehr abhängig von den reinen Verkaufszahlen sehen. Es ist wahr, dass die PS4 wohl das Rennen um die Marktführerschaft gewonnen hat. Allerdings geschah dies in einem Segment, das den Fokus klar auf Grafikpower legt. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass die PS4 ein bedienungsfreundlicher und kompakter PC ist.
    Nintendo-Produkte brauchen da gar nicht mitzuziehen. Die wirklich andersartigen Spiele seiner Konsolen zeichnen sich durch Individualität aus, nicht durch Grafikpower. Von dieser bin ich als Alt-Gamer gelangweilt. Insofern stimmt es auch gar nicht, dass Big N Spiele für Kinder macht, im Gegenteil: mit dem neuesten 3D-Shooter lockt mich keiner mehr hinter dem Ofen hervor, denn ob ich nun HD oder Super-HD habe, spielt keine Rolle mehr. Was mich fesselt, ist die Spielmechanik, und die ist z.B. bei Zelda, SMB oder DK jedes mal ein gutes Stück anders.
    Ich kann mir schwer vorstellen, dass es dafür eines Tages keinen Markt mehr geben wird. Und ebensowenig halte ich es für wahrscheinlich, dass Sony oder Microsoft diesen Markt erobern können – die haben das Geld und die Grafikpower, aber die Philosophie haben sie nicht. Und Philosophie ist es, mit der man etwas wie Zelda schafft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.