Persona 5 und emotionale Bindungen

2017 war ein bärenstarkes Spielejahr. Zwischen Januar und Dezember erschienen so viele unfassbar gute Titel, dass viele von uns vermutlich einen eigenen Pile of Shame alleine für das vergangene Jahr anhäufen mussten. Auch mir fiel es schwer, nicht in der Flut hervorragender Games unterzugehen. Aus diesem Grund begann ich von Anfang an damit, sozusagen die Edelsteine unter dem ganzen Gold herauszupicken. Und, mei, was soll ich sagen, kein Spiel nahm mich im vergangenen Jahr derart in Beschlag wie Persona 5.

Für mich ist Persona 5 nicht nur das beste Spiel 2017, sondern auch ganz weit oben in meiner Liste der „best games of all time“ zu finden. Lediglich Persona 4 empfinde ich persönlich als stärkeren Ableger der Reihe, da es nicht nur der erste Persona-Teil war, den ich spielte, sondern auch aufgrund einiger inhaltlicher Entscheidungen – ich bin halt ein Sucker für Crime Stories. Doch ungeachtet persönlicher Präferenzen, Persona 5 ist ein Brett von einem Rollenspiel und Video game im Allgemeinen.

Auch heute noch, fast ein Jahr nach dem europäischen Release, ertappe ich mich dabei, wie ich auf YouTube mir eins ums andere den offiziellen Launch-Trailer reinziehe oder den offiziellen Soundtrack zu Gemüte führe. Die Optik, das Feeling, die Charaktere, die Musik, gerade die Musik, zieht mich immer und immer wieder in ihren Bann. Habe ich schlechte Stimmung oder muss über einen längeren Zeitraum an einem Artikel arbeiten, gibt es in my humble opinion nichts besseres, als das zu den Klängen von Tracks wie „Beneath the Mask“ oder „Life will change“ zu tun.

Man sieht, eine rein objektive Beurteilung des Spiels ist mir fast nicht möglich und wenn ich ehrlich bin, will ich das auch gar nicht. Mich persönlich stört es keineswegs, dass das JRPG lediglich mit englischen Texten hierzulande erschien, die Übersetzung stellenweise etwas holprig daherkommt oder einige Charaktere doch sehr klischeehaft auftreten. Ich liebe alles an dem Titel und habe jede einzelne Minute der circa 138 Spielstunden genossen.

Aber gerade das ist der Punkt, warum ich Persona 5 in naher Zukunft oder generell nicht mehr spielen werde beziehungsweise überhaupt emotional dazu in der Lage bin. So erging es mir bereits mit Persona 4 und selbst nach zwei Jahren kann ich dieses Spiel nur mit einer gewissen Überwindung in die Hand nehmen. Das mag für den einen oder anderen etwas komisch klingen, aber ich möchte das Ganze gerne auf die Art und Weise erklären, wie es bereits die englische Autorin und Journalistin Amanda Yeo auf Kotaku in ihrem Artikel „Persona 5 taught me how to be friend“ getan hatte.

Für Yeo fühlte sich der gesamte Spielverlauf von Persona 5 wie ihre High-School-Zeit an. Grundsätzlich folgt Persona 5 einem ganz ähnlichen Schema. Man besucht eine neue Schule, findet Freunde, erlebt mit diesen die unterschiedlichsten Abenteuer oder wird vor Probleme gestellt. Es entwickelt sich ein eigener Mikrokosmos, in dem jeder seinen eigenen Platz finden muss. Nichts anderes geschieht im Handlungsverlauf von Persona 4 oder in diesem Fall Persona 5.

In den 138 Stunden, die ich mit der Welt und den Figuren von Persona 5 verbrachte, baute ich mit der Zeit eine gewisse emotionale Bindung zu diesen auf. Es heißt, schaffe es ein Buch oder eine Filmproduktion, das sich der Zuschauer beziehungsweise Leser völlig fallen lassen kann, ist es eine gute Geschichte. Eben dies geschah mir mit Persona 5. Jede Stunde und Minute, die ich mit Ryuji, Ann, Morgana, Haru, Makoto, Futaba, Yusuke und auch Goro verbrachte, fühlte sich an, als würde ich Zeit mit echten Freunden verbringen. Ich kannte ihre Ängste und Sorgen, Träume und Wünsche.

Als dann am Ende, nach einer gefühlten Ewigkeit der Abspann und ein schlichtes „fin“ über den Bildschirm flimmerte, fühlte ich mich schon sehr wehmütig. Stundenlang verfolgte ich die Figuren auf ihrem Weg, half ihnen im Kampf gegen fiese Schurken und Monster und war immer an ihrer Seite, selbst wenn ein Kampf mal nicht gewonnen werden konnte. Der Abspann machte mir klar, dass die Geschichte nicht auf ewig hätte weitergehen können. Es war kein MMORPG, das stundenlange Geschichten auch abseits der vorgeschriebenen Pfade erzählte. Gewissermaßen wurde ich einmal mehr mit dem, loslassen, meine „Freunde“ zu verabschieden, ihnen für die Zukunft nur das Beste zu wünschen und sie vielleicht mal in einem Fighting Game oder anderem Persona-Ableger in irgendeiner Form wiederzusehen.

Aber eben das ist es, was Freundschaft ausmacht, auch mal loslassen zu können. In gewisser weise half mir das Spiel dabei sogar, ein paar Erlebnisse in meinem Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, wenn auch nur ein bisschen. Aber eben das ist der Grund, warum ich Persona 5 nicht noch einmal spielen möchte – es wäre, als würde ich alte Freunde wiedersehen, sie sich aber nicht mehr an mich erinnern könnten. Entsprechend behalte ich mir viel lieber die Erinnerungen und Emotionen in Gedanken an die Abenteuer, die wir bereits gemeinsam gemeistert haben. Und hey, ein Persona 6 wird es auch geben, mit neuen Charakteren und Abenteuern.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.