Plattenliebe

Stellt euch vor, es gäbe in der Welt keine Musik. Keine Harmonien, keine Farben, keine Untermalungen und Teppiche in Filmen und Serien, ja für die meisten von uns vermutlich kein „Leben“ wie wir es kennen. Glücklicherweise ist dies nicht der Fall, sodass wir im heutigen Zeitalter immer und überall unsere Lieblingssongs und -tracks anhören und abspielen können. Als vor Jahren in Erlangen und Erlangen-Nürnberg das MP3-Format erfunden wurde, revolutionierte das die gesamte Musikindustrie. Es war nunmehr nicht mehr ein Ding der Unmöglichkeit, eine größere Menge an Songs auf einem mobilen Endgerät zu speichern und zu jedem gewünschten Zeitpunkt abzuspielen. Mittlerweile ist selbst das nicht mehr notwendig. Programme wie Spotify oder Amazon Prime Music ermöglichen ein Dateiloses Streamen, ohne das auch nur eine gespeicherte MP3 vorhanden sein muss.

Häufig kam mir zu Ohren, das eben solche Dienste dazu beigetragen haben, dass die Menschen weniger die Musik an sich zu schätzen wissen. Früher, als man noch CDs und Platten im Laden oder Händler des Vertrauens erwarb, wurden diese bis zum letzten Track ausgereizt, angehört und auswendig gelernt. Selbst wenn ein Song nicht gerade den eigenen Erwartungen oder dem Geschmack entsprach, war dieser Bestandteil des Albums und wurde bis zur Unendlichkeit abgespielt. Zu Zeiten von YouTube und Spotify ist es aber so, dass wenn ein Song nicht gefällt, dieser geskippt und der nächste angestimmt wird. Es existiert faktische ein Schnelllebigkeit, in der viele gute Songs, die vielleicht mehr als nur einmal angehört werden müssen, schnell übersehen beziehungsweise überhört werden. Natürlich trifft das nicht auf jeden zu und ist nur eine Verallgemeinerung auf Basis dessen, wie einige Menschen die gegenwärtige Situation empfinden und ja, stellenweise auch ich selbst.

An sich ist am „wählerisch sein“ absolut nichts falsch – ich selbst erstelle jeden Monat eine Playlist, die sich aus von mir durchgeskippte oder nur kurz reingehörte Songs zusammensetzt. Erst im Nachhinein höre ich mir die Titel genauer an und werfe häufig mehr als die Hälfte wieder aus der Liste. Bewusst hören macht für mich einfach den Unterschied zwischen Musik die ich mag und Musik die ich interessant finde. Doch was hat das Ganze mit Platten beziehungsweise Schallplatten zu tun?

Als vor ein paar Wochen ein besonderer Mensch in mein Leben getreten ist, bin ich nach sehr langer Zeit wieder mit den schwarzen Kunststoffplatten in Berührung gekommen. Warum auch immer, empfinde ich es an sich angenehmer, etwas haptisches in der Hand zu halten, Musik nicht nur hören, sondern auch in Form von Platten oder CDs „bestaunen“ zu dürfen – sie zu „fühlen“. Ich kann nicht sagen wieso, aber für mich persönlich ist das Gefühl, einen haptischen Datenträger in der Hand zu halten wesentlich wertiger, als „seelenlose“ MP3-Dateihaufen auf der heimischen Festplatte zu lagern und anzuhäufen. Diese Eigenart beschränkt sich aber nicht nur auf CDs oder Schallplatten. Videospiele möchte ich auch viel eher als Retail-Fassung in das Regal stellen, anstatt Steam mit Hunderten Keys zu füttern. Filme sammle ich lieber in Form von Blu-rays und DVDs, ehe ich mir diese via iTunes oder Amazon kaufe.

In Zukunft möchte ich neben Spotify und Co. vermehrt Schallplatten hören, weil ich nicht nur auf den „Look and Feel“ stehe, sondern auch das berühmte Kratzen, wenn die Nadel auf der Platte aufliegt und sich der Teller zu drehen beginnt, schon als Kind unfassbar faszinierend und als großartig empfand. Platten klangen für mich schon immer nach Vergangenheit, nach „echter“ und „handfester“ Musik. Doch egal ob ihr jetzt via Spotify, YouTube oder eben Schallplatten Musik konsumiert- solange sie euch etwas gibt, ist die Wahl der Plattform vollkommen egal. Wie schon Media Markt nimmermüde ist zu wiederholen: „Hauptsache ihr habt Spaß!“.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

Ein Kommentar

  1. Der besondere Mensch
    August 2
    Reply

    <3

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