Ready Player One

Was soll ich lange um den heißen Brei herumreden: ich bin ein verkackter Nerd. Ich kenne mich in Anor Londo mindestens genauso gut aus, wie in meinem Kleiderschrank, ich bin mit Marty McFly schon so oft ins Jahr 1955 gereist, dass ich schon gar nicht mehr weiß, wie oft Biff eine verpasst bekommen hat. Ich bin mit Hörspielen zu den Turtles und Benjamin Blümchen aufgewachsen und zocke mittlerweile über 22 lange Jahre Videospiele. Aus diesem Grund liebe ich Ready Player One. Mit jeder Faser meines (digitalen) Seins.

Ready Player One erzählt die Geschichte einer virtuellen Welt, der OASIS. Nein, nicht die Band der Gallagher-Brüder, sondern geht es hierbei vielmehr um eine Art digitales Nirvana, in dem sich die gesamte Bevölkerung der Erde aufhält, weil die Realität im Grunde nur noch trist, grau und langweilig geworden ist. Es ist wie das Internet. Nur zum Anfassen und für jeden zugänglich. Bock auf Ballern? Na, dann ab zum Planeten Doom? Straßenrennen? Easy! Schnell in den DeLorean gehüpft und ab geht er, der Peter. In Mitten dieses gewaltigen digitalen Spielplatzes findet sich unser Held Wade Owen Watts beziehungsweise dessen virtuelles Alter Ich ‚Parzival‘ wieder.

Seit Jahren versucht sich dieser an einer digitalen Schnitzeljagd, der Suche nach dem sogenannten „Easter Egg“ der OASIS. Dieses hatte der Erfinder der Virtuellen Realität James Donovan Halliday darin versteckt und in einer Botschaft, nach dessen Tod, der Welt offenbart. Wem es gelingt in den Besitz Dreier Schlüssel zu gelangen, erhält nicht nur zig Milliarden Dollar, sondern auch die „Alleinherrschaft“ über die die OASIS. Kein Wunder also, dass alles, was Beine hat hinter dem Ding her ist. Natürlich darf dabei auch der böse Megakonzern nicht fehlen, der die Herrschaft der OASIS für unlautere (Werbe)Zwecke an sich reißen möchte. Parzival und seine Freunde wollen dies jedoch verhindern und geraten entsprechend ohne Umschweife ins Fadenkreuz des Unternehmens. Es entbrennt ein Katz und Maus-Spiel, an dessen Ende jedoch nur einer in den Besitz des Easter Eggs und somit der OASIS gelangen kann.

Als Kind, aufgewachsen in den 90er, großgeworden mit GameBoy, Halo, Minecraft und Co. ist Ready Player One eine Achterbahnfahrt der Popkuluturgefühle. An jeder Ecke erkennt der geneigte Zuschauer Anleihen aus so ziemlich allem, was in der Welt der Videospiele, Musik, Serien und Filmen Rang und Namen hat. Entsprechend ist es fast schon eine Selbstverständlichkeit, dass Parzivals Fahrzeug der Wahl Doc Browns Kultkarre der DeLorean ist und sich der Iron Giant mit Mechagodizlla auf dem Planeten DOOM prügelt. Trotz des ganzen Nerdgasm, kann die gesamte Handlung aber auch nicht ausschließlich in der Virtuellen Realität stattfinden. So müssen die Helden nicht nur um ihr digitales, sondern auch ihr echtes Leben fürchten.

Wie eingangs erwähnt, hat mich der Film von Sekunde Null komplett in seinen Bann geschlagen. Gerade als Vollblutnerd springe ich total auf diesen ganzen Anspielungskram an. Wenn Tracer aus Overwatch hin und her hüpft und neben ihr der MasterChief mit seinem Squad auf eine Gruppe Gegner zusprintet, dann springt mir schon mal der Controller vor Freude aus der Hosentasche. Doch trotz der brachialen Videospieloptik des Films und den ganzen Anleihen, hat er die eine oder andere Schwachstelle, die ich nicht beschönigen möchte. Ohne mich allzuweit ins Spoilerterritorium zu begeben nur so viel: Es ist schon äußerst erstaunlich, das bestimmte Figuren „zufällig“ in der gleichen Stadt wohnen und der weibliche Hauptcharakter starke Ähnlichkeit mit ihrem digitalen Konterpart besitzt. Und wie schnell sich Gefühle heutzutage entwickeln, Junge, Junge.

Aber alles in Allem ist Ready Player One ein Fest von einem Film. Da hat der gute alte Steven Spielberg noch einmal ordentlich tief in die Filmtrickkiste gegriffen und einen fantastischen wie unterhaltsamen Blockbuster auf die Leinwand gezaubert, der nur so vor lauter popkulturellen Anspielen strotzt.

 

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.