Resident Evil 4 – Wird aber auch Zeit!

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Das mit den Retro-Spielen ist schon so ein Ding. Es gibt tausend Bücher, in denen zu lesen ist, welche Spiele man gespielt haben muss und welche nicht. Hinzukommt noch die von der eigenen Meinung geprägten „Geheimtipps“ und schon müsste man sich, technisch gesehen, keine neuen Spiele mehr kaufen. Früher war doch eh alles besser und neue Spiele funktionieren ohne 50 Gigabyte-Patches sowieso nicht ? Alles Schmarn! Man sollte immer das spielen, worauf man gerade Bock hat. So wie ich. Und Resident Evil 4. Und überhaupt!

Resident Evil 4 kann man mittlerweile getrost als Klassiker bezeichnen. Nicht nur, weil es den Titel mittlerweile in einem HD-Remake zu kaufen gibt, sondern weil das Spiel knapp zehn Jahre auf dem Buckel hat. Und das, obwohl es vor und nach dem Release einiges an Tohuwabohu gegeben hatte.

Das Spiel gehört zu einem Branchen-Deal, den man heutzutage unter dem Namen „Capcom Five“ kennt. Wie der Namen bereits verrät, handelt es sich hierbei um fünf verschiedene Spiele, die exklusiv für das damals etwas schwächelnde Nintendo GameCube-System erscheinen sollten. Die Betonung liegt hierbei auf sollte, da im Endeffekt nur eines davon rein für Nintendos Spielewürfel erschien. Bei den fünf Spielen handelte es sich um folgende:

  • P.N.03
  • Viewtiful Joe
  • Dead Phoenix
  • Resident Evil 4
  • Killer7

Wie Capcom USA jedoch im Nachhinein klar stellte, handelte es sich hierbei lediglich um eine reine Zeitexklusivität und lediglich Resident Evil 4 sollte alleine Nintendo vorbehalten sein … doch leider ist ja nicht der Fall gewesen. Aufgrund interner Misstände und falscher Kommunikation, wurden im Anschluss an die Veröffentlichung auf dem GameCube auch Sonys PlayStation 2 und deer PC mit dem Titel versorgt. Das Ganze führte schlussendlich dazu, dass sich Resident Evil-Urgestein und Serienpapa Shinji Mikami öffentlich zu dem Vorfall äußerte und bei Nintendo entschuldigte. Doch trotz aller Schwierigkeiten, kam am Ende ein gutes Spiel um die Ecke.

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Resident Evil 4 knüpft an das Ende von Resident Evil: Code Veronica an, beziehungsweise lässt einige Jahre verstreichen. Die Zombie-Apokalypse ist wieder erwarten nicht ausgebrochen und Umbrella sieht sich mehr denn je in die Ecke getrieben. Die Beteiligten und Überlebenden des Racoon-Vorfalls haben sich in alle vier Himmelsrichtungen verstreut und sind nun teil anderer Organisationen. Während Chris und Jill Mitglieder der Bio-Terrorism Security Assessment Alliance (BSAA) wurden, trat Leon Scott Kennedy in den Dienst der Regierung ein. Dieser wird zu Beginn des Spiels in nach Europa geschickt, um die entführte Tochter des US-Präsidenten zu befreien. Dabei stößt er auf ein Dorf, dessen Bewohner sich einer Viren ähnlichen Infektion ausgesetzt sehen. Ähnlich dem T-Virus, verwandelt das „Las Plagas“ seine Wirte in willenlose Marionetten die von dem Oberhaupt der Los-Illuminados-Sekte kontrolliert werden. In der Haut von Leon muss der Spieler nun alles versuchen, um sowohl Ashley zu befreien, als auch die unheimliche Gruppierung daran zu hindern, die restliche Welt mit den Insekten zu infizieren.

Ähnlich dem T-Virus, verwandelt das „Las Plagas“ seine Wirte in willenlose Marionetten der Los-Illuminados-Sekte.

Der größte Unterschied zu vorherigen Serienablegern ist die Charakter-Ansicht. Zuvor sahen Spieler von Resident Evil die Handlung aus einer fest positionierten Kamera, in der sich nur die Figuren bewegten. Mit Resident Evil 4 ist dies nun passé. Die Hauptperson an sich rückt in den Mittelpunkt und lässt sich nun ähnlich einem Action-Adventure über die Schulter schauen und steuern. Damit einhergehend änderte sich auch die Art des Waffengebrauchs. Jede Schusswaffe verfügt über einen eingebauten Laserpointer, der es Leon erlaubt, aktiv die verschiedenen Körperteile seiner Feinde anzuvisieren und unter Beschuss zu nehmen. Hinzukommen einige Nahkampfmanöver, die sich unter bestimmten Bedingungen ausführen lassen. Deutlich verbessert hat sich zudem die Grafik. Bereits in Code Veronica gehörten vorgerenderte Hintergründe der Vergangenheit an. Alles musste in Polygon-Grafik erstrahlen, was sie dank der Rechenpower des GameCubes tatsächlich tat … zumindest größtenteils. Einige Grafiken boten Sägezahnkanten und bei größeren Gebieten verschwamm der Hintergrund gerne in einem undurchdringlichen Texturhaufen. Zudem fielen in einigen Gebieten die Detail-armen Vegetationen auf.

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Für viele der Fans waren diese Änderungen Fluch und Segen zugleich und sorgten so für eine Spaltung. Durch die Neuausrichtung des Spielinhalts war das Spielgeschehen deutlich action-lastiger geworden und hatte nicht mehr viel von der gruseligen Atmosphäre der Vorgänger zu bieten. Doch (leider) gibt der Erfolg Capcom recht. Resident Evil 4 und dessen Nachfolger verkauften sich wie geschnitten Brot und erst mit Resident Evil: Revelations kam wieder ein wenig Gruselstimmung auf, ohne dabei auf die mit RE4 eingeführten Mechaniken verzichten zu müssen.

Mir selbst gefällt Resident Evil 4 ganz ordentlich, auch wenn ich eher Fan der alten Serienteile bin. Nichtsdestotrotz hoffe ich sehr, dass Capcom nun die Kurve kriegt und mit den in Zukunft erscheinenden Ablegern den Horror wieder zurück auf die Flimmerkiste bringt. Zumindest zeigt uns das Unternehmen mit Spielen wie dem HD-Remake des HD-Remakes(!) von Resident Evil 1 auf dem GameCube, dass sie nach wie vor als Meister des Survival-Horrors bezeichnet werden wollen.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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