Ryse: Son of Rome (Xbox One)

Bereits bei der PlayStation 1 war es so, dass der Konsole zum Launch ein Titel beilag, den man im Nachhinein als Grafikblender bezeichnet. Hierunter versteht man im allgemeinen ein Spiel, dass mehr Wert auf die Optik denn den Spielinhalt legt. Ryse: Son of Rome aus dem Hause Crytek als ein solches Game zu bezeichnen wäre vielleicht etwas zu harsch, doch ist es ganz klar das Spiel mit dem besten Look & Feel … aber durchaus mit schwächelndem Gameplay.

Im Grunde handelt es sich bei Ryse: Son of Rome um einen klassisches Slasher der Marke God of War, verzichtet aber im Gegensatz zu diesem auf extrem übernatürliche Elemente wie aus der Mythologie entsprungene Monster oder überdimensionierte Waffen. Als Spieler schlüpft man in die Rolle des römischen Legionärs Marius Titus, der wie schon sein Vater vor ihm sein Leben den Legionen Roms widmet. Eines Tages jedoch und nur wenige Augenblick nach seiner Rückkehr nach Rom, stürmen eine handvoll Barbaren die Behausung seiner Familie und tötet diese. Marius schwört blutige Rache, marschiert mit unzähligen Kohorten in Britannien ein, nur um seine Gier nach Vergeltung zu stillen.

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Wie bereits Eingangs erwähnt orientiert sich das Spiel in Sachen Gameplay an bereits bekannten Genren-Größen. Via Tastendruck schlägt man auf seine Feinde ein, nutzt den mitgeführten Schild zur Verteidigung oder löst kurze QTAs (Quick Time Events) aus, um die Gegner auf besonders blutige Art und Weise in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Dieser kleineren Reaktionstests sorgen dafür, dass ein erfolgreich besiegter Gegner beispielsweise die Lebenspunkte von Marius wieder auffüllt oder zusätzliche Erfahrung bereithält. Als Spieler stehen insgesamt vier Optionen zur Auswahl, die sich mit Fortschreiten des Spielverlaufs frei nutzen lassen. Ich selbst habe mich meist jedoch dabei ertappt, wie ich durchgehend nur die Wiederherstellung der Lebensenergie nutzte. Daneben kann Marius in bestimmen Spielabschnitten Speere auf seine Feinde schleudern und ist dabei so zielsicher wie eine amerikanische Stinger-Rakete mit Hitzesuchfunktion. An manchen Punkten darf sogar ein ganzer Trupp voller Soldaten befehligt werden. Dies geschieht entweder mittels eines Tastendrucks auf dem Gamepad oder man ruft einen auf dem Bildschirm angezeigten Satz dem Kinect-Modul zu. Als lethargischer Kinect-User habe ich beim Spielen rein auf den Einsatz des Controller-Knopfes gesetzt. Nicht wirklich spektakulär.

Doch so gut sich das vielleicht für den einen oder anderen anhören mag, so ist es doch gerade das Kampfsystem und die damit verbundenen Feinde, die den größten Schwachpunkt des Spiels ausmachen. Während man als Spieler in der ersten halbe Stunde noch den Spaß seines Lebens hat, sich sehr schnell mit dem Umgang der Waffe vertraut macht und auf einer Konsole noch niemals zuvor so schön seine Gegner über den Jordan gehen ließ, so repetitiv wirkt das Spielgeschehen in der Zeit danach. Die Gegnertypen variieren kaum; ständig muss sich Marius gegen die mit den gleichen Klamotten ausgestatteten Barbaren zur Wehr setzen. Aber selbst wenn sich die Feinde später optisch verändern, so bleiben stets die gleichen Bewegungsabläufe vorhanden. Und von einer „Artenvielfalt“ bei nur circa 6-8 verschiedenen Angriffsmuster zu sprechen, wäre durchaus zu vermessen.

Großes Lob verdienen die Jungs und Mädels von Crytek aber auf jeden Fall in Anbetracht der optischen Präsentation. Seltener sah ein Spiel besser aus und ließ die handelnden Charaktere so echt wirken. Die Rüstungsteile der römischen Legionäre sehen aus wie frisch aus der Schmiede und erstrahlen dank der ausgeklügelten Mechanik der CryEngine 3 in den jeweiligen Spielabschnitten immer im richtigen Licht. Egal ob am verregneten Strand von England oder im sonnendurchfluteten Herzen des römischen Imperiums.

Persönlich hatte ich echt eine Menge Spaß mit Ryse: Son of Rome. Klar, natürlich hat das Ding seine Macken und lässt an vielen Stellen Wünsche für Verbesserungen offen. Vielleicht verzeihe ich dem Spiel auch auch einiges mehr, als der normale Kritiker, da Sandalen-Filme wie auch Spiele schon immer eine große Anziehungskraft auf mich ausübten. Und als alter Gladiator-Fan ist es einfach nur grandios mit anzusehen, wie Rom auf der zum damaligen Zeitpunkt neuen Konsolengeneration in neuem Glanz erstrahlte. Nimmt man nun also die Grafik, das Gameplay, die Feinde und das Ganze drumherum zusammen, kommt dabei am Ende ein überdurchschnittlicher Slasher heraus, der in Zukunft hauptsächlich wegen der Optik in Erinnerung bleibt. Und weil es eben ein Launch-Titel der Xbox One ist.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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