Silent Hill 2 und ich

Über die Jahre hinweg habe ich dutzende Texte zu Silent Hill 2 verfasst. Für mich gibt es faktisch kein Spiel, das mich so sehr begleitet und auch geprägt hat wie Konamis Horror-Klassiker. Doch immer wieder konfrontiere ich mich selbst mit der Frage nach dem Warum. Wie kann es sein, dass gerad ein Spiel, wie Silent Hill 2, das den meisten Spielenden Angst einjagt und daher von vielen kategorisch abgelehnt wird, mir derart viel Spaß bereitet. Nach längerem Kopfzermatern bin ich zum Schluss gekommen, dass es die Angst selbst ist, an der ich mich jedes Mal ergötze. Jeder Schritt innerhalb des Spiels generiert ein geliebt-gehasstes Gefühl in der Bauchgegend, das ich einerseits immer wieder aufs Neue willkommen heiße, andererseits stets verteufle. Ich will es nicht spielen, aber irgendwie doch. Jeder Schritt, den James Sunderland innerhalb der eingeschneiten Geisterstadt unternimmt, kommt meiner Fingerbewegung auf dem PlayStation-Pad gleich.

Wie auch James begebe ich mich mit Silent Hill 2 stets auf die Suche nach etwas, was mir bis heute nicht wirklich bewusst war: die Suche nach mir selbst. Die Prämisse des Spiels, ohne allzu viel verraten zu wollen, ist die, dass jegliche Entscheidung in unserem Leben Konsequenzen nach sich zieht. Nicht zwangsweise für einen selbst, jedoch kann eine Entscheidung für andere, geliebte und auch verhasste Menschen positive wie negative Folgen haben. James sieht sich mit zahlreichen Entscheidungen dieser Art konfrontiert. Er muss sich nicht nur der eigenen Vergangenheit stellen, sondern auch der von anderen rastlosen Seelen, die Silent Hill zu sich rufen lies.

*be aware – some spoilers may lay ahead*

Zwar kann man die Spielgeschehnisse nicht auf unser gegenwärtiges Leben transferieren, dennoch besitzt die Geschichte, die Silent Hill 2 erzählt, einige sehr interessante Aussagen, über die man zumindest einige Minuten nachdenken sollte. Den Aspekt mit den Entscheidungen ist nur eines davon. James lernt zum Beispiel, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Nach einigen Spielstunden trifft er auf Maria, eine Figur, augenscheinlich geschaffen aus Träumen und Illusionen, die dennoch mehr Mensch ist, als James eigentlich wahrhaben möchte. Dennoch fängt er damit an, sich um sie zu kümmern, auch wenn er sie nicht kennt, und er abgesehen von den äußerlichen Ähnlichkeiten zu seiner verstorbenen Ehefrau keinerlei Verbindung zu ihr besitzt.

Silent Hill 2 – Harmonie in Reinform

Das gesamte Geschehen wird dabei von dem mehr als fantastischen Soundtrack von Akria Yamaoka begleitet, der in meinen Augen die wohl beste musikalische Untermalung erschuf, seit es Videospiele gibt. Es gibt keine Stelle innerhalb des Spiels, an der die Hintergrundmusik nicht zu den Geschehnissen auf dem Bildschirm passt. Egal, ob James sich in einem Kampf mit einem Monster wiederfindet oder gerade auf der Flucht verzweifelt über die weiten Straßen der Stadt rennt. Silent Hill 2 bietet stets und gerade wegen der schrecklichen Präsentation eine fast schon perverse Harmonie zwischen Bild und Ton.

Abschließend bleibt mir nur noch eines zu sagen: Danke. Danke Silent Hill 2 für all die Angst und Erleichterung, die ich jedes Mal mit dir durchlebe. Wie auch James werde ich mich in Zukunft immer wieder aufs Neue auf den Straßen der verlassenen amerikanischen Kleinstadt wiederfinden. Und mich fürchten.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

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