Twitch

Schon vor einigen Jahren habe ich mich ein wenig an Twitch und Co. versucht. Damals existierte noch Justin.tv, dem Ur-Twitch wenn man so möchte, bei dem Videospiele jedoch nur einen Teilbereich und nicht das Hauptprogramm ausmachten. Es stellte sich aber recht schnell heraus, dass die meisten User von Justin.tv am liebsten anderen Personen beim streamen von Videospielen zuschauten. Kurzerhand wurde die entsprechende Sektion ausgelagert und firmiert seitdem unter dem Namen Twitch.tv. Im vergangenen August wurde Junstin.tv von den Gründern dichtgemacht, um den Fokus rein auf Twitch bzw. Twitch Interactive, Inc. zu legen.

Lange Zeit war es nur den PC-Spielern möglich, ihre Games ins Internet zu streamen. Mittlerweile aber können Twitch-User auch die aktuelle Konsolen-Generation dazu nutzen, das Gespielte direkt ins Internet zu übertragen. Mal mit Live-Kommentar, mal ohne. Unlängst richten sich manche Channels aber nicht nur an Videospiel-affine Personen per se, sondern bieten den Zuschauern eine breite Palette an Unterhaltungsshows. Bestes Beispiel ist der deutsche Twitch-only-Sender Rocketbeans.tv (über die ich an dieser Stelle bereits berichtete).

Den größten Teil der Streams bilden aber nach wie vor eSport-Channel. Meistens handelt es sich hierbei um Kanäle, die sich auf Spiele wie League of Legends, DotA 2 oder seit einiger Zeit Counter Strike: Global Offensive spezialisiert haben. Twitch wird hierfür jedoch nicht nur von Privatpersonen genutzt. Ganze Großveranstaltungen wie die ESL ONE oder DotA 2’s The International, dem wohl prestigeträchtigsten eSport-Event derzeit, können for free im Netz mitverfolgt werden. Mit Twitch lässt sich aber auch ganz gut Geld verdienen, selbst wenn das Grundmodell komplett kostenlos ist. Doch im Gegensatz zu YouTube, setzt der Streaming-Dienst weniger auf verstärkte Werbeeinblendungen. Twitch verfügt über ein Abonnement-Modell, bei dem die Spieler zu einem festgelegten Preis einen Channel subskribieren – nicht zu verwechseln mit der normalen Folgen-Funktion – und erhalten spezielle Smileys für den Chat oder Zugänge für „Subscribes Only“-Streams.

Für einige der bekannteren Streamern, wie zum Beispiel „Man vs Game“, wurde Twitch zur Arbeit bzw. das Streamen von Games oder Events zum Beruf. Doch auch vermehrt Videospiel-Magazine und Portale entdecken den Dienst für sich. Beispielsweise geht Gameswelt regelmäßig via Twitch live und präsentiert den Zuschauenden eine bunte Mischung aus Videospiel- , Film- und Serien-Themen. Auch die in Hamburg beheimatete 4Players-Redaktion veröffentlicht über Twitter den hauseigenen Sendeplan. Andere Unternehmen, wie IDG (GameStar, GamePro), setzen noch größtenteils auf YouTube – Siehe High5 – greifen aber mittlerweile auf den Streaming-Dienst zurück.

Es ist interessant zu sehen, wie viel Beachtung Twitch mittlerweile erfährt. Nicht nur, dass in Kooperation mit Twitch ganze Fernsehsender aus dem Boden gestampft werden, sie bieten zudem dem geneigten TV-Zuschauer die Möglichkeit, der tristen TV-Landschaft den Rücken zu kehren. Allgemein hat sich der Fokus des Fernsehschauens in den letzten Jahren stark verändert. Menschen glotzen zwar immer noch in die Flimmerkiste, greifen dabei aber verstärkt auf Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon, Sky oder eben auch Twitch zurück.

Auch wenn die Plattform in Lila schon weltweit erfolgreich genutzt wird, besteht Luft nach oben. Irgendwann könnte es Twitch vielleicht sogar gelingen, der gesamten TV-Landschaft den Rang abzulaufen. Auch wenn hierfür zunächst einmal in jedem Haus eine einwandfrei funktionierende Internetleitung vorhanden sein müsste.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

Ein Kommentar

  1. […] über einem Jahr habe ich das erste Mal so richtig über den Streaming-Dienst Twitch gesprochen. Damals ging ich noch auf grundlegende Aspekte der großen lilafarbenen Plattform ein: Was dahinter […]

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