Uncharted: Drake’s Fortune

Mit riesigen Schritten nähern wir uns der Veröffentlichung des wohl letzten großen Uncharted-Spiels, Uncharted 4: A Thief’s End. Passend hierzu und bereits einige Tage vor dem Launch des letzten Abenteuers von Nathan Drake, veröffentlicht Entwickler Naughty Dog zusammen mit Sony die sogenannte The Nathan Drake Collection. Diese beinhaltet alle bis dato erschienenen Konsolenspiele der Reihe, aufgehübscht und ausgebessert für die moderne Heimkonsole. Doch warum warten, wenn die Originalteile bereits für einen Apfel und ein Ei im Handel zu haben sind? Und so schlecht sehen die alten Teile auch (noch) nicht aus.

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Es ist ein heißer Sommer im Los Angeles des Jahres 2006 und doch finden sich erneut unzählige Videospieljournalisten aus allen Herren Ländern in der Stadt der Engel ein, um für kurze Zeit den neusten Videospielen und Konsolen zu huldigen. Dieses Jahr soll es ganz besonders spannend werden. Während Microsoft bereits mit der Xbox 360 die Katze aus dem Sack ließ, wartet man im Sony-Fanboy-Lager gespannt auf die Enthüllung der bereits bestätigten PlayStation 3 und welche Spiele es dafür geben wird.
Nach und nach füllt sich der Saal und immer mehr Zuschauer finden sich vor der gigantisch anmutenden Tribüne ein, auf der in wenigen Augenblicke die nächste Generation der Sony-Heimkonsole eingeläutet werden soll.
Natürlich gab es im Vorfeld zahlreiche Gerüchte über zahlreiche Fortsetzungen bereits bestehender Spieleseieren. Von einer Großzahl der hier anwesenden Journalisten wird jedoch erwartet, dass Sony weit mehr als bloße Teil 2s und Teil 3s ankündigt. Presse wie Spieler verlangt es nach etwas Neuem, etwas, dass die digitale Welt auf der Ganzen Welt im Sturm erobern wird und kann. Und wer hätte es an diesem heißen und durchaus sonnigen Tag gedacht: Sony hatte tatsächlich ein entsprechendes Spiel parat.

Der Mythos Uncharted wird geboren

Auch wenn es zu Beginn niemand vermutet hätte, so ist Uncharted heute eine der bekanntesten Action-Adventure-Serien in der Geschichte der Videospiele. Der Held, Nathan Drake, wird oftmals als männlicher Konterpart zur Pistolen schwingenden Amazone Lara Croft angeführt. Oder als eine stärker ausgeprägte Haudrauf-Variante von Indiana Jones. Doch egal wie man es dreht und wendet, Nathan Drake ist heutzutage ein stehender Begriff für jeglichen Videospiel-interessierte Person – oder sollte es zumindest sein.

Von Jak & Daxter zu Nathan Drake und Victor Sullivan

Die Entwicklung von Uncharted: Drake’s Fortune reicht bis in das Jahr 2004 zurück und knüpft direkt an die Veröffentlichung von Jak 3 an. Nach dem Ende der Jak & Daxter-Trilogie wollte Naughty Dog ein weiteres bahnbrechendes Videospielerlebnis schaffen und bildete dementsprechend eine Taskforce mit den begabtesten Talenten und Mitarbeitern innerhalb des Entwicklerstudios. Auch wenn die Verlockung, einen weiteren Ableger der Jump & Run-Reihe (Jak & Daxter) für Sonys neue PlayStation 3 zu entwickeln, groß war, hatte das Studio viel mehr Interesse daran, eine völlig neue Thematik zu nutzen. Es sollte ein neues Franchise geschaffen werden das zur neuen Generation an Heimkonsolen besser passt, als ein grellbunter Plattformer.

Inspiriert von zahlreichen verschiedenen Quellen – wie zum Beispiel Actionfilme der Marke Indiana Jones oder National Treasure (Das Vermächtnis der Tempelritter) – entstanden im Laufe der Zeit verschiedene Prototypen, die sich alle einen gemeinsamen Nenner teilten: sogenannte „Was wäre wenn…“-Szenarien. So entstand nach und nach das Spiel, was wir heute unter dem Titel Uncharted: Drake’s Fortune kennen. Doch der Weg dahin war steinig und verlangte den Entwicklern einiges ab. Während ursprüngliche Fassungen zahlreiche unterschiedliche Inhalte oder Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt boten, entschied sich Naughty Dog ausschließlich auf die Dinge zu fokussieren, die auch wirklich zu 100 Prozent funktionieren – schließlich handelt es sich bei der PlayStation 3 um eine gänzlich neue Hardware bzw. Konsole, deren Potenzial erst noch ausgelotet werden muss.

Mehr als nur „Dude Raider“

Nach der Präsentation auf der E3 2006 wurde das Spiel mehr und mehr mit bekannten Genre-Klassikern wie Tomb Raider und damit einhergehend Lara Croft verglichen. Dadurch bekam das Spiel unter anderem auch den amüsant anmutenden Spitzname „Dude Raider“ verpasst. Der große Unterschied zu den Abenteuern der aus England stammenden Archäologin war jedoch das Gameplay an sich. Während Lara ihre Feinde meist mit dem sogenannten Auto-Aiming die Lebenslichter auspustete, hat der Spieler von Uncharted: Drake’s Fortune stets die volle Kontrolle über die Handlungen von Titelheld Nathan Drake. Darüber hinaus bietet Uncharted einen größeren Rätselanteil, der innerhalb des Spiels unter anderem mit sammelbaren Hinweisen in einem Notizbuch untermauert wird. Auch im Gegensatz zu den für die Tomb Raider typischen Sand und Gruften-Settings hat sich Naughty Dog für eine wesentlich ansprechendere und farbenfrohere Umgebung entschieden. Die Umgebung soll vor Farben nur so strotzen, einladend auf die Spieler wirken und diese zum Erforschen der Welt ermutigen.

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Im Gegensatz zu Jak 3 wollte Naughty Dog auch nicht auf Comiccharaktere oder Fabelwesen zurückgreifen. Schnell wurde entschieden, dass Uncharted eine realistische Welt mit echten Personen werden soll. So entstand die Figur des Nathan Drake, der im Gegensatz zu Lara Croft kein durchtrainierter Gefahrensucher ist, sondern sich oftmals mit der gegeben Situation überfordert fühlt und lieber den einen oder anderen blöden Witz reist, als mit Funkeln in den Augen dem nächsten Diamanten hinter zu jagen. Unterstützt durch seinen altehrwürdigen Freund und so-was-wie-ein-Vater-für-ihn Victor Sullivan sowie Auftraggeberin Elena Fisher, formte sich mit der Zeit ein Charakter, der nicht nur für seinen schnellen Zeigefinger und loses Mundwerk bekannt wurde. Nathan Drake schaffte das, was nicht jedem virtuellen Helden vergönnt war: er wirkte echt und sympathisch.

Das sind echte Menschen!

Die ehemalige Lead Autorin von Naughty Dog, Amy Henning, meinte einmal in einem Interview, dass ein vor kraftstrotzender Muskelheld nicht in die geschaffene Welt von Naughty Dog passen würde. Viel eher seien die Spieler wie auch die Entwickler an einem Charakter mit Biss interessiert, jemand der sich zäh und mit Mühe durch gefährliche Situationen zwängt. Was die Charaktere aber schlussendlich vollständig zum Leben erwachen lässt, sind die Synchronsprecher. Nolan North der in der Serie Nathan Drake spricht, verpasst dem virtuellen Haudegen die perfekte Stimme und gilt nicht zu unrecht als einer der besten und bekanntesten Synchronsprecher der (Videospiel)Welt.

It’s fact the characters are real people. They can make mistakes but be heroic.
Amy Hennig, 2007 – Uncharted: Drake’s Fortune – Interview, on disc

Nach der erstmaligen Bekanntgabe auf der E3 2006 dauerte es noch ein Jahr, ehe Naughty Dog den Gold-Status für das Spiel ausrufen konnte. Eine erste spielbare Demo erschein am 8. November 2007, ehe am 19. November das eigentliche Spiel veröffentlicht wurde. Bis heute gilt Uncharted: Drake’s Fortune als eines der besten Spiele für die PlayStation 3 und wird, wenn überhaupt, lediglich von dessen Nachfolgern Uncharted 2: Among Thives und Uncharted 3: Drake’s Deception übertroffen. Doch worum geht es überhaupt hier überhaupt?

Uncharted: Drake’s Fortune

Das Spiel folgt den zwei Abenteurern Nathan Drake und Victor „Sully“ Sullivan auf ihrer Suche nach Gold und Reichtum. Auch wenn den beiden bisher das große Stück vom Kuchen verwehrt geblieben ist, so scheint sich das Blatt nun zu wenden. Danke der nicht ganz uneigennützen Unterstützung der Fernsehreporterin Elena Fisher stoßen Nathan und Sully auf die Spuren von Sir Francis Drake, einem Abenteurer aus der Zeit der Seefahrer und Entdecker. Dieser scheint angeblich auf der Fährte des sagenumwobenen El Dorados gewesen zu sein, einer Stadt aus purem Gold. Doch wie so oft sind die beiden bei ihrer Suche nicht alleine. Schnell geraten sie an zwielichtige Gestalten, die zudem noch die eine oder andere Rechnung mit dem ungleichen Duo offen haben. Es entspinnt sich ein Katz und Mausspiel, an dessen Ende nur eine Seite den Schatz von El Dorado heben kann … oder niemand.

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Was sich wie ein perfektes Abenteuer von Indiana Jones liest, spielt sich auch so. Als Nathan Drake schlüpft der Spieler die Rolle eines wagemutigen Draufgängers, der nicht nur mit verschiedenen Bleispritzen umzugehen weis, nein auch stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. In bester Third-Person Perspektive rennt, springt, schießt und kämpft sich Nathan durch eine malerische Insellandschaft, die nur so vor Hindernissen, Gefahren und umherfliegenden Kugeln strotzt. Ähnlich dem von Harrison Ford porträtierten Indiana Jones, muss sich Nathan Drake dabei von einem Ort zum anderen bewegen, ohne eine wirkliche Route vorgelegt zu bekommen: Sprich, er hangelt sich an steilen Bergklippen entlang oder muss verwitterte Steinmauern überwinden, um seinem Traum von Gold und Reichtum näher zu kommen.

Spielerisch ist eine Ähnlichkeit zu Tomb Raider nicht von der Hand zu weißen – ganz besonders nicht in Anbetracht des mittlerweile existierenden Reboots. Aber bereits damals, im Jahr 2007, galt das Spiel als die Antwort auf Core Designs schießwütige Grabräuberin. Doch im Gegensatz zu Miss Croft kann der Spieler selbständig mit einem Fadenkreuz seine Feinde anvisieren und per Tastendruck versuchen zu erschießen. Dabei ist das oftmals jedoch leichter gesagt als getan. Die KI reagiert entsprechend der Situation, versucht den Helden sogar hin und wieder zu flankieren. Das führt teilweise zu haarsträubenden Schießereien, an deren Ende öfters Drake selbst ins Gras beisst. Jedoch ist das aufgrund klug ausgewählter Checkpoints kein Beinbruch, sondern kratzt viel eher an der Ehre des Spielenden.

Fazit

Was schon damals zu überzeugen wusste, begeistert auch heute noch unzählige Spieler rund um den Globus. Ähnlich wie Halos MasterChief hat sich Nathan Drake in die Herzen der Spielerschaft gespielt und wird dementsprechend mit einer eigenen HD-Collection belohnt. Darüber hinaus steht schon bald sein letztes großes Abenteuer bevor, in dem er vermutlich und wie wir ihn alle kennen, nochmals ordentlich vom Leder ziehen wird. Und wer weiß, vielleicht kehrt der wagemutige Abenteuerer eines Tages wieder zurück?

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