Videothekennostalgie

Wer heutzutage einen Film schauen möchte, hat dank zahlreicher Streamingportale unzählige Möglichkeiten, dies zu tun. Noch vor ein paar Jahren wäre nicht daran zu denken gewesen, waren weder das Netz noch dessen Anbindung in Deutschland ausgereift genug. Doch was alles so in ein paar Jahren passieren kann. Dem Siegeszug der digitalen Videoplattformen Marke Netflix, Amazon Prime und Co. standen abertausende kleinerer und größerer Videotheken im Wege. Zu Beginn noch zuversichtlich, dass Menschen weiterhin händisch ihre Filme bei einem lokal ansässigen Laden ausleihen werden, stehen die meisten Ketten wie Unternehmen mittlerweile vor dem Ruin oder existieren bereits seit ein paar Jahren schon gar nicht mehr.

Darauf gekommen bin ich vor ein paar Tagen, als Joachim Hesse, oder auch Onkel Jo, via Facebook darüber schrieb, dass eine Videothek in Nähe seines Wohnsitzes dichtmachen musste. Der Text selbst erinnerte mich augenblicklich an meine eigene Videothekenvergangenheit, hatte ich doch das große Glück, einen Videothekenbesitzer Freund nennen zu dürfen.

Als Dorfkind war ich häufig darauf angewiesen, entweder mir das Auto meiner Eltern auszuleihen oder per Bahn in die nächstgrößere Stadt zu düsen. Doch wie das eben so ist, sind solche Trips meist mit einigen Kosten verbunden, weshalb sich mein Handlungsspielraum nicht selten rein auf meine nähere Umgebung, sprich Zuhause, beschränkte. Doch eben weil es diese eine Videothek gab, investierte ich meine Kohle gerne in das Ausleihen mehrerer Streifen, um diese im Anschluss mit dem Besitzer und seinen Angestellten in hitzigen Diskussionen auseinander zunehmen und zu analysieren.

„Clerks“ von Kevin Smith, 1994

Jahrelang ging ich in dem Laden ein und aus, wir hielten stundenlang Gespräche darüber, welcher Film warum und wieso großartig ist und vice versa. Es bildete sich sogar eine größere Gruppe an Menschen, die sich regelmäßig traf, um auch neben dem Videothekenbesuch gemeinsam etwas zu unternehmen. Die Stammkunden des Ladens, zu denen ich auch mich zählen durfte, bekamen die Möglichkeit, wöchentliche Filmtipps auszustellen. Bis heute kenne ich noch den Titel meiner letzten Empfehlung: „My Name is Bruce“ von und mit Bruce „Evil Dead“ Campbell. Apropos Film, kennt ihr den Streifen „Clerks“ von Kevin Smith? So fühlte sich das Ganze für mich an, nur eben komplett in einer Videothek spielend. Und ohne Jay & Silent Bob.

Gerade deshalb stimmte mich der Beitrag von Jo durchaus nostalgisch und traurig zugleich. Nach dem Verkauf der Videothek übernahm der Besitzer eine neue Stelle, gefühlt einen Steinwurf vom Video Store entfernt. Die restlichen Leute der Gruppe, die Angestellten und ja, damals auch Freunde, verschwanden nach und nach in ihrem Leben. Ein völlig normaler, wenn auch trauriger Prozess. Man versuchte natürlich in Kontakt zu bleiben, aber wir wissen alle, wie das ist. Aber dennoch und gerade aufgrund der Erlebnisse mit eben jenen Menschen, werden mir diese auf ewig in Erinnerung bleiben und mich immer wieder gerne, wenn auch etwas traurig, auf die gemeinsame Zeit zurückblicken lassen.

Florian Merz Verfasst von:

Florian rühmt sich damit, der größte Schwarzenegger-Fan der bekannten Welt zu sein und kennt sich auch so ganz gut mit Filmen, Serien und ganz besonders Videospielen aus. Arbeitet als Sales & Project Manager in Berlin; gibt sich hier auf dem Blog aber ganz privat die Ehre.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.