Willkommen in Deutschland – #refugeeswelcome

Deutschland den Deutschen. Das war einmal. Noch in den dreißiger Jahren wurde unser Land von Menschen regiert, deren Auffassung darin bestand, Lebensraum zu schaffen und dabei so viel Leid wie möglich über verschiedene ethnische Kulturkreise zu bringen. Mit der sogenannten Wannseekonferenz gibt es auch ein historisch belegtes Treffen hochrangiger Regierungsmitglieder, die im Jahre 1944 sich der „endgültigen Judenfrage“ annahmen – glücklicherweise konnte das geplante Vorhaben der vollständigen Vernichtung Religionsangehöriger nicht komplett in die Tat umgesetzt werden. Dennoch starben unzählige Menschen durch die Gräueltaten der Nationalsozialisten, kurz Nazis. 1945 kam die Wende, der Krieg war vorbei, Deutschland von dem Krebsgeschwür braunen Gedankengutes befreit. Sollte man zumindest meinen.

Tatsächlich aber haben die vergangenen Wochen und Monate deutlich gezeigt, dass nach wie vor braunes Gedankengut in den Köpfen einiger Deutschen oder auch auf deutschem Boden lebender Menschen vorherrscht. Viele sind der Ansicht, dass Deutschland ausschließlich dem deutschen Volke als Heimat dienen sollte. Asylanten oder gar Flüchtlinge hätten hier nichts verloren und können gerne in anderen europäischen Ländern auf Wohnungs- und Arbeitssuche gehen. Dass es mittlerweile nicht nur bei solchen verbalen Äußerungen geblieben ist, zeigt der tägliche Blick in die Zeitung. Zahlreiche geplante Flüchtlingseinrichtungen wurden durch Brandanschläge zerstört, „besorgte Bürger“ gehen auf die Straßen und sprechen sich lautstark gegen die Aufnahme weiterer Asylanten und Flüchtlinge aus. Aktuell kursiert sogar ein gefälschter Brief des Bayrischen Roten Kreuzes im Internet, in dem offen gegen Asylanten gehetzt wird.

Da mich das Thema auch persönlich sehr nachdenklich stimmt, möchte ich folgend ein paar Sätze zu der derzeit in Deutschland herrschenden Stimmung schreiben.

„Liebe Leser und Leserinnen,

ich habe keine Ahnung von Politik. Um ehrlich zu sein habe ich mich auch nie groß für die Parteiprogramme der einzelnen Gruppierungen interessiert. Ich weiß für welche Partei die Farbe Rot steht und was man unter Schwarz versteht. Fakt ist jedoch, dass dieser Tage besonders die Farbe Braun in den Vordergrund gerückt ist. Überall werden Flüchtlinge, Asylanten und andere aus ihrem Heimatland vertriebene Mitmenschen von „braunen“ Deutschen angefeindet. Da stelle ich mir persönlich die Frage, warum? Liegt es an der Angst vor dem Unbekannten? Nehmen uns die Flüchtlinge oder Asylanten die Arbeit weg? Entführen sie deutsche Kinder und vergewaltigen deutsche Frauen? Fragen über Fragen, die wohl überlegt sein sollten. Doch bereits nach wenigen Sekunden fiel mir die Antwort wie Schuppen von den Augen: „Besorgte Bürger“, braune Deutsche und ja, schlichtweg Nazis, sind einfach absolute Arschlöcher. Sie behaupten Dinge von denen sie selbst keine Ahnung haben.

Sie wettern gegen Flüchtlinge, dass diese sich auf Kosten des Deutschen Staates durchfressen und somit dem deutschen Bürger die hartverdienten Steuergelder aus der Tasche ziehen. In den Augen der braunen Mischpoke ist bereits der Besitz eines Smartphones schon eine Straftat. Woher haben die das? Das haben sie bestimmt einem gut bürgerlich und höchst besorgtem deutschen Mitmenschen aus der Gesäßtasche gestohlen. Verjagen sollte man sie! Tatsächlich aber sind Smartphones in anderen Ländern genauso, wenn nicht gar stärker verbreitet als in Deutschland. Das Flüchtlinge ein Smartphone bereits vor der Ankunft auf deutschem Boden in ihrem Besitzt gehabt haben, das käme doch dem deutschen Nationalisten niemals in den Sinn. Und dann noch die Arbeit, die sie den braven deutschen Bürgern stehlen, in einem Land, dem fast schon das Prädikat „Vollbeschäftigung“ verliehen werden kann. Genug Gründe also, um als besorgter Bürger auf die Straße zu gehen …

Ich als Mensch finde es verachtungswürdig, wenn man auf den Schwächsten der Schwachen herumtritt und anderen Menschen versucht, braune Gedanken einzuflößen. Überhaupt kann man schon lange nicht mehr von einem „besorgten Bürger“ sprechen. Menschen, die Nachts mit einem Molotov-Cocktail Einrichtungen für hilfsbedürftige Männer, Frauen und Kinder zerstören, sind nicht etwa besorgt, sondern rassistische Terroristen. Und dagegen sollte man etwas unternehmen. Natürlich bleibt es die Aufgabe des Staates und der Polizei, gegen solche Verbrecher vorzugehen, doch auch wir, die Normalbürger können auf anderen Wegen Flüchtlingen und Asylanten zur Seite stehen. Wir können den Mund aufmachen, unsere Meinung via Twitter, Facebook und Co. kundtun, an Demos gegen Rechts teilnehmen, Essen, Kleidung, Geld und andere Verbrauchsgüter spenden. Gemeinsam zeigen, dass Deutschland nicht Rechts ist und wir als Bürger uns nicht von den widerlichen Relikten einer längst vergangenen Zeit einschüchtern lassen. Denn so abgedroschen es auch klingen mag, aber wir sind das Volk und nicht der braune Mop!“

#refugeeswelcome

Florian Merz

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